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Müll? So ein Müll! Gedanken zur geplanten Imagekampagne von Frau Orosz

von SalvadorDD am 15 Dezember 2010 23 Kommentare

Gegenwind für Helma Orosz! Auf ihrem Weihnachts-Kongress forderten nun auch die Mitglieder der Jungliberalen Aktion Dresden Oberbürgermeisterin Orosz auf, ihre Ideen einer Imagekampagne zur Verbesserung der Sauberkeit in den Mülleimer zu werfen in der Äußeren Neustadt zu verwerfen.

„Fast 100.000€ an Steuermitteln für eine nichtsbringende Imagekampagne ohne nachhaltigen Wert ist Verschwendung“ erklärt Kreisvorsitzender Thomas Kunz. „Das Geld sollte stattdessen lieber in wirksame Maßnahmen investiert werden, wie zum Beispiel zusätzliche Mülleimer und Hundetoiletten. Vor allem im Sommer türmen sich beispielsweise rund um den Alaunpark die Müllberge. Da helfen auch keine gut gemeinten Imagekampagnen weiter. Vor allem im Hinblick darauf sollten erst die Voraussetzungen geschaffen werden, damit Anwohner und Besucher der Neustadt ihr Viertel sauber halten können. “

Ok, auch hier wird fälschlicherweise das Gesamtbudget als Steueraufkommen summiert, dabei sollen ja in Wirklichkeit Gewerbetreibende der Neustadt etwa die Hälfte beisteuern, um uns endlich stubenrein zu kriegen. Dennoch haben die Julis natürlich absolut recht, dass eine solche Kampagne pure Verschwendung wäre!

Ich glaube übrigens nicht, dass es Helma Orosz um den Alaunpark geht. Das Problem könnte man duch mehr Mülleimer und mehr Helfer wirklich wesentlich besser lösen (gibt es eigentlich Vergleiche zu Fläche, nächtlichen Besuchern, Mülleimern, Helfern zu anderen Gartenanlagen?). Ich glaube auch nicht, dass es allein um Hundekacke geht (so viel weiß auch Helma Orosz: Hunde gehen zu selten ins Kino, um sich von Werbespots vom Kacken abhalten zu lassen).

Ich persönlich glaube nach einigen Gesprächen, unter anderem mit meinen Eltern, dass es ein rein psychische Wahrnehmung von „Müll“ ist, welches viele Leute beim Besuch der Neustadt empfinden. Hier liegen ja schließlich keine alte Matratzen, stillgelegten Autos oder bergeweise leere Flaschen auf der Strasse.

Was das psychische Empfinden vielleicht auslöst sind “Streetcommunication” und Schummerlicht…..

Streetcommunication/Wandschmuck aller Art

Streetart, Graffiti, Aufkleber, Flyer, Konzertplakate: Die Neustadt ist ein Zentrum der Strassenkommunikation, mit welcher der/die typische Reihenhausbewohner/in vom Rande der Stadt einfach nicht klar kommt. Der (oder die) sieht das nicht als künstlerischen und kulturellen Ausdruck sondern als “Müll”. Für dieses Phänomen ist aber nur eine verschwindende Minderheit verantwortlich. Die Mehrheit ist “Konsument”. Im übrigen zumeist gern Konsument. Wer in der Neustadt lebt und keine Plakatwände mag, der hat was falsch gemacht.

Um es anders zu sagen: Die Neustadt ist nicht vermüllt, sie ist nur nicht immer besonders gut aufgeräumt!

Schummerlicht und hohe Schaufenster

Meine Eltern sind ziemlich oft zu Besuch in der Neustadt! Umso erschrockener war ich, als sie neulich beiläufig erwähnten, dass es doch komisch sei, wie viele Häuser noch unsaniert sind. In Anbetracht der Tatsache, dass mir spontan gerade mal vier nicht sanierte Häuser im Kern der Äußeren Neustadt einfielen, machte ich mir so meine Gedanken. Beim nächsten Besuch haben wir einen “Kopfhochspaziergang” gemacht und die Überraschung meiner Eltern war sehr groß, in welch nahezu luxuriösem Sanierungszustand sich die Neustadt befindet. Den Kopf gesenkt schritten wir zurück, um nach Ursachen ihrer Fehleinschätzung zu forschen. Neben der oben erwähnten exzessiven Strassenkommunikation stellten wir fest, dass die Schaufenster der Neustädter Händler und Gastronomen oftmals eher wohnungsmäßig klein und hoch sind und dazu noch ziemlich schummrig beleuchtet. Auch werden Schaufenster offenbar dezent seltener geputzt als in der Königstraße. Dinge, die mir so nie bewusst aufgefallen sind. Ich mag es ja so und ich kenne meine Händler und meine Kneipen ja. Und das macht den Charme auch aus! Andererseits darf man sich aber vielleicht wirklich nicht wundern, wenn die konservativere Klientel sich eher zurückhaltend bewegt und sich in manche Läden gar nicht traut oder gar das ganze Viertel aus den genannten psychischen Empfindungen meidet.

All das spricht für die These, dass weder die Kampagne der Oberbürgermeisterin etwas (was auch immer) ändern kann, noch die beste Kampage des Werbevereins.

Wir wirken vielleicht etwas schmuddelig, etwas düster, etwas rockig: Wir sind vielleicht wirklich so etwas wie das unaufgeräumte, kreative Kinderzimmer! (Im wahrsten Sinne des Wortes! Die Äußere Neustadt ist mit einem Durchschnitts­alter von 31,5 Jahren Dresden jüngstes Viertel)!

Um diesen Eindruck zu ändern, müsste man eben gerade keine Plakate kleben, sondern müsste welche entfernen! Aber sind Plakate Müll? Sind schummrige Schaufenster Müll? Müssen wir einfach nur das Licht anknipsen? Sollte Frau Orosz in Straßenbeleuchtung investieren? Wir haben nämlich keine Sperrstunde, sondern ab 22 Uhr (empfundene) Dunkelstunde im Viertel. Eure Meinungen sind gefragt! Danke!

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23 Kommentare »

  • AntonLauner sagte:

    Aber illegal Plakate gegen kackende Hunde zu kleben, wäre schon wieder ziemlich nach meinem Geschmack. ;-)

    Im Ernst. Die Einwände, die die Julis da wieder ausgegraben haben, hatte der Ortsbeirat vor einer Weile auch schon in ziemlicher Geschlossenheit kund getan.

    Aber die Kampagne wird wohl kommen, am Spannendsten finde ich daran noch, das die ersten Entwürfe mit Schülern des Mediencolleges entstanden sind.

  • Stephan sagte:

    “Andererseits darf man sich aber vielleicht wirklich nicht wundern, wenn die konservativere Klientel sich eher zurückhaltend bewegt und sich in manche Läden gar nicht traut oder gar das ganze Viertel aus den genannten psychischen Empfindungen meidet. ”

    Gemeint ist ja wohl das Klientel, das u. a. die Neustadt z. Teil todsaniert hat u. u. a. den größten Gewinn aus gestiegenen Mieteinnahmen zieht !!!

    Man sollte eher mal beginnen, diesen Punks & Hippster die Leviten zu lesen, die jeden Sommer ihre Konsumhinterlassenschaften breit verstreut dem Alaunpark überlassen.

  • olly sagte:

    sinnlose Profilierungssucht der Jungliberalen:

    Das Thema und die OROZ-Doktrinierung wurde bereits auf der letzten Sitzung des Neustädter Ortsbeirates ausreichend gewürdigt. Dort fiel der Widerstand der FDP eher verhalten aus. Insgesamt war man sich aber einig, das Frau Orosz und die Stadtverwaltung eher ein Image-Problem mit der Neustadt haben. Das Geld sollte benutzt werden um die Vorurteile in der Verwaltung abzubauen, oder eben konkrete Maßnahmen gegen einzelne Probleme zu finanzieren. Ein Vorschlag in der Ortsbeiratssitzung war, mit dem Geld dem Ortsamtsleiter eine Personalstelle zur Hand zu geben, die sich rasch und unbürokratisch um Abhilfe bemühen kann…

    Ps: gestern bin ich an einem sprechenden Mülleimer in Bannewitz vorbeigekommen… Der Schnee viel in den Mülleimer und verursachte dadurch pausenlos ein “Dankeschön, dass sie Bannewitz sauberhalten” in feinster mikroelektronischer Obertonstimmlage…
    Ich glaube die brauchen dort dringend eine Imagekampagne!!!

  • olly sagte:

    fiel viel…
    damit es jeder versteht —:)

  • fino sagte:

    mehr mülltonnen und ein paar resolute Omis die auf Streife gehen und den Alaunparkverschmutzern und Falschkackern die Ohren langziehen

  • SalvadorDD (author) sagte:

    “Aber die Kampagne wird wohl kommen, am Spannendsten finde ich daran noch, das die ersten Entwürfe mit Schülern des Mediencolleges entstanden sind.”

    @Anton:

    1. Kann man die Gewerbetreibenden wirklich dazu zwingen, so eine Kampagne zu unterstützen?

    2. Ich mag das Mediencollege! Aber entweder wir haben ein ernsthaftes Problem! Dann lasse ich bitte, bitte, bitte auch echte Profis ran oder wir reden nur über Spielerei! Dann kann es nicht sein, dass so viel Geld verbraten wird. Man erinnere sich daran, was rauskommen kann, wenn Studenten im Auftrag der Stadt werben (http://konzeptspeicher.de/2010/12/07/haudsache-didden-design-in-dresden/)

    3. Wenn das ganz eher nicht so wirklich wichtig ist und nach kreativen Ideen gesucht wird, dann mache ich bitte einen Award, bei dem es 20.000 zu gewinnen gibt und bei dem die Filme nur auf youtube laufen. dazu kaufe man sich dann für 10.000 Mediazeit in den neustädter Kinos für den Gewinner – Gesamtkosten: 30.000 statt 100.000

    4. wenn es um den alaunpark geht, dann sollte man das auch so benennen! und da es im alaunbpark weder litfaßsäulen gibt noch plakatwände noch ein freiluftkino, braucht es wenn überhaupt dann schilder, guerilla marketing maßnahmen und mülleimer – aber doch keinen kinospot.

    ich mag das mediencollege sehr und ich weiß, dort sitzen talentierte schüler. aber was bitte verstehen die denn von stadtentwicklung?

  • Jan-Thomas sagte:

    Aus der Beschlussvorlage:

    Es wird angestrebt, einen möglichst großen Teil der Kosten aus Mitteln privater Beteiligungen (Gewerbetreibende) zu finanzieren. Deren mögliche Beteiligung beruht bisher nur auf einer Annahme. Die für 2012 und 2013 ausgewiesene Summe von jeweils 19.000 € erscheint unrealistisch, so dass entweder der städtische Anteil erhöht werden oder geplante Maßnahmen wegfallen müssen.

    Ich bin mir sicher das man niemanden dazu zwingen kann, so eine Kampagne unterstützen zu müssen – zahlen Gewerbetreibende denn nicht letztendlich auch indirekt dafür Gewerbesteuern?

  • Anton Launer sagte:

    @ SalvadorDD:

    1. Die Kampagne kommt auch, wenn kein Gewerbetreibender Geld dazu gibt.
    2. recht hast du
    3. wieviel werbezeit im kino bekommt man eigentlich für 10.000Euro?
    4. Vorschlag: Man könnte ja dieses Bild in den Rasen mähen.

  • SalvadorDD (author) sagte:

    @anton:

    eine menge!! ich schätze jetzt mal, in der schauburg sollte man alle drei säle einen ganzen monat für ca. 500 bekommen (für einen 15sekünder..) – da kann der spot also in schauburg, thalia, casablanca und ufa fast ein ganzes jahr laufen – bis den müll keiner mehr sehen kann :-)))

  • Anton Launer sagte:

    Dann wäre das Ziel erreicht … ;-)
    Soo billig. Hätte ich nicht gedacht.

  • SalvadorDD (author) sagte:

    anton, ich schätze wirklich nur…. hab mich da sehr lange nicht mehr auseinandergesetzt. ich recherchier das mal

  • henteaser sagte:

    “bergeweise leere Flaschen” stehen/liegen manchmal dann doch herum, weil sich’s wohl nicht lohnt, Glascontainer öfter zu leeren.

    “Wer in der Neustadt lebt und keine Plakatwände mag, der hat was falsch gemacht.” Das Gleiche gilt aber auch für die WochenendbesucherEtten, denen die Häuser zu alt, Straßen zu eng und eben auch Plakatierungen zu wild sind. Die sollen zu Marché in den Hauptbahnhof gehen oder auf die entseelte Prager Straße.

    “wie viele Häuser noch unsaniert sind” – Du könntest deinen Eltern das Konzept vom (Miet)Preis-Leistungs-Verhältnis erklären ;) Es lohnt sich ebenfalls, die Straßenzüge nach dem Inneren der Wohnhäuser und Hinterhöfe zu beurteilen; das Übrige ist nur Fassade.

    “Und das macht den Charme auch aus!” – Zumal es imho unnötig ist, riesiggroße, blitzblanke und auch nach Ladenschluss taghell erleuchtete Schaufenster vorzuhalten, damit sich das an Shoppingmalls gewöhnte Durchgangspublikum ins Viertel traut.

  • SalvadorDD (author) sagte:

    @henteaser: warum soll ich meinen eltern 1. etwas erklären, was sie besser verstehen als ich und 2. nichts damit zu tun hat, wie man gewisse dinge wahrnimmt. sie waren der festen überzeugung, in der äußeren neustadt sei die hälte noch un- oder teilsaniert.

    ansonsten ist es ja nicht mein wunsch, irgendwelche shoppingtouristen in die neustadt zu locken. was ich sagen will ist, dass es nicht mangelnde werbung ist, welche diese leute abhält sondern mangelnde (passende ) angebote. sprich: wer einkäufer vermisst, der muss keine werbung machen sondern seine angebote anpassen und dann werbung machen..

  • henteaser sagte:

    Das ist sowieso ein Punkt, den ich nicht verstehe: Sorgt sich die Bürgermeisterin um das Ansehen ihrer Stadt, den Umsatz der Neustädter Händler oder worum genau? Wurden etwa Parkautomaten und Überwachungskameras wild beklebt?

  • Udo sagte:

    Hat mal jemand laut darüber nachgedacht aus welcher Richtung die Idee für diese Kampagne kommen könnte?

  • SalvadorDD (author) sagte:

    @Udo: Welche Richtung genau meinst Du? Ich denke, es kommt aus der Ecke, in der auch die Neustadt so gesehen wird http://www.youtube.com/watch?v=6fiIYuJM9Pg

  • Udo sagte:

    Fast. Ich dachte da eher so in Richtung dieser merkwürdigen Neustädter Werbevereinigung

  • SalvadorDD (author) sagte:

    @udo: also ich glaube, die würden das geld eher in eine PRO-neustadt kampagne stecken als in eine CONTRA-Müll

  • Anton Launer sagte:

    @SalvadorDD & Udo: Die Idee stammt aus der Stadtverwaltung und ist gewissermaßen ämterübergreifend entstanden. Diesen Punkt sollte man durchaus positiv bewerten. Von der Werbevereinigung haben wir dem Ortsamtsleiter die Information mitgegeben, dass es wichtiger ist, Mülltonnen aufzustellen als Plakate zu hängen. Dies stieß grundsätzlich auf offene Ohren. Ich schätze, die weitere Entwicklung wird sich im Januar zeigen.

  • Jan-Thomas sagte:

    Die Idee stammt aus der Stadtverwaltung und ist gewissermaßen ämterübergreifend entstanden. Diesen Punkt sollte man durchaus positiv bewerten.

    Was genau ist da jetzt deiner Meinung nach positiv zu bewerten?

  • AntonLauner sagte:

    Das mehrere Ämter eine gemeinsame Idee entwickeln.

  • Ortsbeiratssitzung am 28. Juni | Die Neustadt sagte:

    [...] Vorstellung der Werbeaktion für Ordnung und Sauberkeit in der Äußeren Neustadt (Müll? So ein Müll! Gedanken zur geplanten Imagekampagne von Frau Orosz) [...]

  • Szeneviertel – ja, Dreckecken – nein | Die Neustadt sagte:

    [...] die Stadt mit einer reinen Imagekampagne nichts bewegen kann (dieneustadt.de bericht(igt)ete), wenn es um die Beseitigung von Dreckecken geht, hat sie offensichtlich verstanden. So jedenfalls [...]

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