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Kleiner Nachtisch zu den Nach(t)gedanken

von SalvadorDD am 11 November 2010 10 Kommentare

Ich möchte noch ganz kurz einen kleinen Nachtisch zu den Gedanken von letzter Nacht loswerden. Das hatte ich vor Müdigkeit ganz vergessen. Ja, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass insbesondere einigen Gastronomen die neue Konkurrenz in der Stadt wirklich zu schaffen macht. Alleine der heute öffnende Musikpark am Wiener Platz ist auf 1.500 Besucher ausgelegt und will die Nähe zur Uni nutzen, um auch studentische Partys in großem Stil zu feiern, wirbt also um klassisches Neustadtpublikum. Und was H&M im Bereich der Mode, das ist die MPC Music-Park-Concepts GmbH & Co. KG mit deutschlandweit nun 15 Standorten für die Clubszene. Dazu weiße Gasse, Industriegelände, demnächst vielleicht Friedrichstadt und Ostragehege – die Neustadt bekommt ordentlich Wettbewerb im Buhlen um die Gunst der Nachtschwärmer.
Ganz verwunderlich ist es daher nicht, dass die Initiatoren der Werbegemeinschaft vor allem aus der Gastronomie kommen.

Ich frage mich allerdings, ob der eine oder andere Neustädter Gastronom (damit sind explizit nicht die Initiatoren gemeint) nicht lieber mal vor der eigenen Haustür nach Gästen suchen sollte, statt weiterhin vor allem auf auswärtige Gäste zu zielen. Wie ich heute wieder feststellen durfte, bin ich nicht der einzige, der Möglichkeiten vermisst, mit Kindern zwischen zwei und zwölf Jahren unkompliziert aber lecker essen gehen zu können. Und genau das ist nun einmal die neue Klientel der Neustadt: Junge Eltern mit mittlerem Einkommen, nicht mehr ganz so wild und rebellisch wie einst, aber immer noch nicht reif fürs Reihenhaus. Ole vom Salection hat das ganz gut beschrieben. Neben kinderfreundlichen Restaurants vermissen nicht wenige Anwohner Konzerte mit erwachsener Klangfarbe (Jazz, Blues, Folk, World, Klassik), die außerdem bitteschön an einem Wochentag nicht erst nach 22 Uhr beginnen und gemütliche Kneipen, in denen man vor allem seine Nachbarn trifft….

Dann wird´s ja noch langweiliger? Nun, das mag gut sein. Aber am Ende vielleicht auch rentabler? Ich sage nur, dass man mit Marketing die Uhren nicht zurückdrehen kann. Ein wichtiger Bestandteil von Marketing ist aber, sich den aktuellen Umständen immer gut anpassen zu können…

Was denkt ihr?

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10 Kommentare »

  • squamp sagte:

    Nagel auf den Kopf getroffen.

  • erich sagte:

    das konzert unter der woche beginnt nicht aus purer lust erst 22 uhr. es kommt vorher einfach keiner. da kannst du hundertmal 21 uhr in die ankündigung schreiben. alles erprobt. bringt nüscht. schade. ich wäre als gastgeber auch gern eher im bett.

    und langsam verwundert mich der tenor “das neustadtpublikum ist älter geworden”. in meinen augen ist der altersdurchschnitt des nächtens immer noch locker unter 30.

  • SalvadorDD (author) sagte:

    Erich, so weit ich es beurteilen kann, habt ihr und seht ihr in der Groove ja auch keine Probleme, den Laden voll zu kriegen, oder? Tun muss der was, dem die Leute flöten gehen, aber wer gutes Programm macht….

    Ich meine, hej, der Beatpol ist auch oft ausverkauft und wenn wir über Lage reden, dann haben die ganz andere Sorgen! :-)

    Das Publikum allgemein WIRD älter werden! Wollen wir wetten?

  • erich sagte:

    ja, die leute werden älter. is von der natur so vergesehen. :P meiner erfahrung nach rutschen aber ständig jüngere nach. das ist gut so und wird sich so schnell nicht ändern.

  • catapult22 sagte:

    @Erich

    Wenn Du dich mal nicht irrst…

    Die Kundschaft ;) wird unmerklich älter. Jeden Monat um gefühlte 0,1 Lebensjahre. Im Schnitt.

    Wäre spannend mal zu ermitteln, ob mein Bauchgefühl recht hat. Wenn ja, würde ich in 5 Jahren gern mal an einer Ü30-Party teilnehmen. ;)

  • FX sagte:

    @ Erich

    dass mit dem Konzertbeginn ist ein sogenanntes Henne-Ei-Problem:
    Ich weiß, dass Konzerte erst viel später starten als angekündigt, also bin ich auch erst dann vor Ort.
    Da helfen nur strenge Erziehungsmaßnahmen:
    was drauf steht ist auch drin, sprich 21:00 steht im Plan, also geht’s auch 21:00 los.

    FX

  • Erich sagte:

    ja, aber erklär mal der band, dass ausgerechnet sie ein teil eines umerziehungsprogramms sind und daher jetzt bitte punkt 21 uhr vor null leuten anfangen sollen.

  • Andrea sagte:

    Der Beatpol hat es mit viel Geduld geschafft, Einlass- und Anfangszeiten wie angegeben umzusetzen. Dadurch hab ich anfangs so manche großartige Vorband verpasst.. jetzt weiß ich, dass sie dort draußen quasi auf die Minute anfangen und bin pünktlich da.

    Mit den Umerziehungsmaßnahmen sollte man wirklich einfach beginnen und nicht jedes Mal erneut vor dem Spätpublikum in der Neustadt kapitulieren. Neulich hat sich ein Pärchen, was 21:45 Uhr bei ner Lesung auftauchte, darüber beschwert, dass sie nun ne Dreiviertelstunde verpasst hätten. Überall war Einlass 20 Uhr, Beginn 21 Uhr vermerkt – sogar auf ihren Vorverkaufskarten.

    Wenn die Leute ins Kino gehen, klappt’s doch auch mit der Pünktlichkeit: Weil Filmvorführer ihr Programm so durchziehen und nicht noch auf den letzten möglichen Passanten warten.

  • Antifa sagte:

    War das im Beatpol denn jemals anders? Das wurde doch schon in den 90ern wegen den Straßenbahnen extra so gelegt.

  • Brilliance of the Seas sagte:

    das ist wirklich sehr gut!

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