Dresdens Neustadt – Sanfte Umwälzungen
Von »Gentrifizierung« hat Gerda Baron noch nie gehört. Sie weiß nicht, dass Soziologen mit diesem Begriff ihr Viertel beschreiben, die Dresdner Neustadt. Und damit auch die Kamenzer Straße, in der die 71-Jährige ihr Leben lang gewohnt hat. Bis jetzt.
Das Gebäude, in dem Gerda Baron zu Hause gewesen ist, hat den Eigentümer gewechselt; die neuen Eigentümer wollen mehr Profit aus der Immobilie holen, auf der Hofseite sollen Balkons angebaut werden. Wohnen für Besserverdiener – so könnte man »Gentrifizierung« übersetzen. Um mehr als zehn Prozent ist die Miete nun wieder gestiegen, es war nicht die erste Mietpreiserhöhung. Aber eine zu viel für Gerda Baron. Ende Mai ist sie an den Postplatz gezogen, in eine günstige Neubauwohnung auf der anderen Elbseite.
Nichts grundlegend Neues, aber dennoch ein sehr lesenswerter Artikel über die Entwicklung der Neustadt auf zeit.de.


Traurig, aber leider wahr.
Leider wird es nicht mehr lange dauern, bis auch die letzte Immobilie an neue Eigentümer verkauft ist und die Neustadt nie mehr das sein wird, was sie einma war…
@ Akira: Was war denn die Neustadt einmal? Erst Wald, dann ein paar Häuser im Wald, dann Arbeiter- und Industrieviertel mit Reichen-Wohnungen in den Vorderhäusern. Danach Ruinen-Viertel, in das Ex-Knastis von der Parteiführung abgeschoben wurden, dann Künstler- und Studentenviertel, jetzt Viertel für junge Familien und Studenten.
An welcher Stelle hätte man die Veränderung der Neustadt aufhalten sollen?
Es sollte vielleicht eher mal die allgemeine Mietpreisentwicklung in Dresden zum Thema gemacht werden, als immer nur auf ein Viertel zu schauen. Sonst gibt es, wenn überhaupt, bezahlbare Wohnungen bald nur noch in bestimmten Teilen der Stadt. Soziale Segregation usw.
Mietpreissenkungen allein reißen da imho wenig. Es gibt auch andere billigere Dresdner Stadtviertel, die aber einfach nicht wohnlich genug sind.
Was z.B. (nicht nur?) mir an der Neustadt gefällt, ist die beklebte und -taggte Altbausubstanz mit der gut genutzten Möglichkeit, im Erdgeschoss Ladenflächen zu betreiben. Und die unmodern engen Straßen, die deshalb die Straßenseiten nicht durch übermäßig Autoverkehr voneinander trennen.
Allein schon die Ampel an der Louisen/Görlitzer-Kreuzung hat etwas vom Flair geraubt: plötzlich gehört es zum guten Ton, auf Verkehrszeichen zu achten und nicht auf die eigenen Sinne. Sowas halt. Kleine Schritte.
Ich hab mir erst kürzlich die Podiumsdiskussion über die zukünftige Gestaltung der BRN angehört und da wurde in etwa gesagt, dass ‘die BRN’ eben nicht bloß ein Fest/Jahr ist, sondern das Fest ist der Tag, an dem die Bunte Republik Neustadt sich so präsentiert, wie sie gern sein würde.
Und ehrlich gesagt würde ich gern auch an anderen Wochen-/Tagen im Jahr – am besten ständig – erleben, dass die Straßenränder zu mehr genutzt werden als nur zum parken. Aber da ist wohl das Ordnungsamt vor, weshalb die BRN wenig mehr ist als ein Karneval mit ramschigen Flohmarktständen, an denen die Kinder der ‘Alternativen’ abgegriffene Sammelkarten, Barbies und Ü-Ei-Figuren zu verkaufen versuchen.
@ Anton Launer: Es gibt sicher mehr als (D)eine Vorstellung davon, was die Neustadt ist oder war.
Ach so, und da die Gentrifizierung auch thematisch gerade die Runde macht, wollte ich noch auf den Blog von Andrej Holm zum Thema hinweisen: http://gentrificationblog.wordpress.com/
Was ich übrigens auch bei der Podiumsdiskussion gemerkt habe: Die alteingesessenen Neustädter scheinen einen seltsamen Lokalpatriotismus entwickelt zu haben, der soweit geht, dass sich eine der Diskutantinnen zu Beginn erst zu entschuldigen müssen glaubte, nur ‘ne Zugezogene zu sein. Wie sich diese Einstellung mit Weltoffenheit verträgt, habe ich nicht wirklich kapiert.
Die Intoleranz ist oft näher als man denkt ;)
@ Torsten, dann sags doch mal …
@ Anton Launer:
s doch mal.
Oder wenn es Dir darum geht, mich zur öffentlichen und angeleiteten (De-)Konstruktion von Mythen über die Neustadt zu animieren, muss ich sagen, dass ich das langweilig finde.
[...] vielen Jahren mit dem Thema Stadtentwicklung beschäftigt und einen kurzen Vortrag zum Thema „Gentrifizierung“ in der Neustadt halten wird. Moderiert wird die Veranstaltung von der SPD-Stadträtin und MdL [...]
[...] und meist zahlungsschwache Bewohner werden verdrängt und ziehen in andere Stadtviertel (Dresdens Neustadt – Sanfte Umwälzungen). Diskutiert werden sollen auf der von Julia Bonk moderierten Veranstaltung u.a. die Fragen, [...]
Guten Tag,
Im Rahmen eines Seminars beschäftige ich mich mit dem Thema der Gentrifizierung. Die Dresdener Neustadt dient dabei meines Erachtens als eine Art Paradebeispiel für diesen Prozess. Dennoch kann man das Gebiet meiner Meinung nach nicht als vollständig gentrifiziert bezeichnen, da sowohl die derzeitige Bevölkerungsstruktur als auch die sozioöknomische Struktur eher dafür spricht, dass sich die Neustadt noch in der Pionierphase befindet. Trotzdem werden ebenfalls Verdrängungseffekte deutlich (insbesondere bei älteren Bevölkerungsgruppen)und das Gebiet wird auch zukünftig durch seinen Ruf als das Szeneviertel der Stadt voranschreiten in seiner Transformation hin zu einem vollkommen gentrifizierten Stadtteil. Dabei stellt sich mir die Frage, ob die angrenzenden Viertel (z.B. Hechtviertel )ähnlich starke Entwicklungstendenzen nehmen werden und damit günstiger Wohnraum in unmittelbarer Nähe zur Neustadt weiterhin knapper werden wird? Damit verbunden ist die weitergehende Frage, ob diese Aufwertung zu zunehmender sozialer Segregation innerhalb des Stadtgefüges Dresdens kommen wird, sprich einkommens- und bildungsstarke Haushalte in zentraleren Stadtbereichen und schwächere in den Randbezirken.
Hallo alle Autoren dieses Blogs,
Vor allem ist Neustadt ein Stadtteil für manche Studenten und junge Menschen, wo sie sich genießen und wohnen. Darüber hinaus funktioniert er sowohl eigene Kunst- oder Kulturzentrum als auch ein dichte Siedlungsstadtteil. Im Vergleich zur Altstadt kommen meiste Touristen relative wenig. Deswegen wäre es ganz problematisch, wenn Miete von den Wohnungen in Neustadt immer angehoben würde.
Stadterneuerung, aber die Tatsache ist gezwungen, um die fortzufahren. Besonders im Fall von Dresden, die Stadt wird jetzt in der Tat von der Regierung auf viele Dimensionen für Stadtentwicklung finanziert. Und für noch mehre Bedarf auf Einfluss der Bevölkerung von andere Städte ist die Stadt Aachen immer in Bezug auf diesen Bereich erforderlich.
Diese Situation ist immer die Konfrontation erreicht, aber die exakten Lösungen sind so weit nicht sichtbar.
Nach persönlicher Meinung ist es erforderlich, dass die Entwicklung am Stadtrand von Dresden dringend benötigt. In der Tat, in dem östlichen Viertel beispielweise wie Gorbitz gibt es so viele übrigbleibende Häuser. Leider hat die Stadt Aachen dafür keine anwendbaren Lösungen gefunden.
Ich denke, dass die Stadt Aachen zuerst auf die Instandhaltung von Anlagen und Infrastruktur in den Außenbezirk ihren Blick gibt, um die Schwierigkeiten bei der Steigerung von Miete zu überwinden.
KyushikCH
aus Aachen
Hallo an Leser,
die Anmerkungen die von GeoAC getroffen werden kann ich einer Vielzahl der genannten Punkte unterstützen. Jedoch stellt sich mir generell die Frage ob man in Großstädten der neuen Bundesländer überhaupt von einem Gentrifizierungsprozess innerhalb ganzer Stadtviertel sprechen kann oder ob sich dieser Verdrängungsaspekt nur auf einzelne Parzellen oder Straßenzüge beschränkt.
Diese Frage stellt sich mir deshalb, weil besonders im Innenstadtberiech genannter Großstädte, zu denen auch die Neustadt gehört, meist eine hohe Leerstandsquote zu verzeichnen ist. Dies vor allem nicht nur deshalb, da nach der „Wende“ ein Schwerpunkt städtebaulicher Maßnahmen auf suburbane Räume gelegt wurde, sondern auch das genau in dieser Zeit, bis Mitte der 90iger eine hohe Abwanderung ansässiger Bevölkerung in die alten Bundesländer zu verzeichnen war.
Somit besteht bei mir auch die Vermutung, dass eine soziale Segregation, wie von GeoAC angesprochen, eher keine auftretende Folge innerhalb des Stadtgefüges Dresden sein wird und das eine übergreifende Entwicklungstendenzen nur auf einzelne Abschnitte innerhalb angrenzender Viertel zu verzeichnen sein wird.
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