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Neustadt 2020 – eine subjektive Nachbereitung

von am 2 März 2010 18 Kommentare

Wer oder was ist die Neustadt? Diese Frage stand am gestrigen Abend im Herbert-Wehner-Bildunsgwerk zu Anfang der Ausführungen Andreas Wurffs, des scheidenden Leiters des Stadtplanungsamtes. So mancher mag sich schon für besonders weltoffen halten, weil er weiß, daß sich das Gebiet in eine Äußere und Innere Neustadt gliedert. Doch die Projekte, die Wurff unter dem Titel „Visionen“ rekapitulierte, machten unmißverständlich klar: die Neustadt, das betrifft nicht nur ein paar Inseln der Glückseligen. Neustadt ist auch Jägerpark, ist auch Hafen-City, und vieles mehr, was man gemeinhin nicht mitdenkt beim Bild, welches das Wort „Neustadt“ evoziert.

Doch der Reihe nach. Der Abend begann mit einem Kurzfilm von Manfred Lauffer, der die Neustadt anno 1989 festgehalten hatte. (Angesichts der maroden Häuser kam ich nicht umhin, mich über die Formulierung eines „totsanierten“ Stadtteils zu wundern: die nur noch von massiven Stützbalken notdürftig zusammengehaltenen Häuser mit ihren wie Bienenstöcke an den Fassaden klebenden Außenklos und scheunentorgroßen Löchern in den Dächern zeigten einen Stadtteil kurz vor dem Kollaps.) Unterlegt mit einem psychedelischen Soundtrack, wurden die Bilder bisweilen von zeitgenössischen O-Tönen Walter Ulbrichts und Erich Honeckers sowie stalinistisch-leninistischen Partei-Hymnen konterkariert. So weiß ich nun, daß „‚Heimkommen‘ im Sozialismus eben nicht bedeutet, daß man vorgewärmte Filzpantoffeln vorfindet!”

Insgesamt eine authentische Dokumentation, die ins Bewußtsein rief, welchen Weg die Neustadt in den letzten zwanzig Jahren zurückgelegt hat – und die darauf einstimmte, daß in den nächsten zehn Jahren kein Stillstand zu erwarten ist.

Mit 100 Einwohner pro Hektar ist die Innere Neustadt eines der am dichtest besiedelten Gebiete Dresden, Tendenz steigend. Daran gemessen, gibt es zu wenig Grün. Abhilfe soll hier zum Beispiel die Neugestaltung des Areals um die Scheune schaffen. Die Ecke Louisenstraße/Alaunstraße soll durch Einbeziehung von Katy’s Garage (der Eigentümer zeigt sich bis dato aufgeschlossen) in ihren Platzqualitäten stärker betont werden. Rechts neben der Scheunen soll eine Schulsporthalle entstehen, mit Stellplätzen „in Ebene -1“.

Was die 2011 beginnende Umgestaltung des Martin-Luther-Platz betrifft, zog Wurff ein recht persönliches Fazit. Zum einen sei man dank der regen Bürgerbeteiligung im Vorfeld zu besseren Lösungen gelangt, als sie die Stadt selbst konzipiert hatte. Zum anderen habe ihn überrascht, daß die Neustädter Stellplätze einem Mehr an Grün vorziehen. So sah der ursprüngliche Entwurf an den Längsseiten des Platzes statt Parkplätzen Begrünung vor, was nach Protesten geändert wurde.

Noch in diesem Jahr beginnen die Maßnahmen in der nördlichen Alaunstraße, die Fußgängern und Autofahrern mehr Platz verschaffen sollen (die Einbahnregelung bleibt erhalten).

Übrigens wurde auf Nachfrage aus dem Publikum deutlich, daß die städtischerseits durchaus vorgesehene Barrierefreiheit, die z. B. für Senioren mit Rollator oder Rollstuhlfahrer relevant ist, leider nur im Zuge solcher sowieso geplanter Bauarbeiten implementiert wird.

Ein Gebiet, das seiner Entwicklung noch harrt, ist das Dreieck zwischen Postgelände, Bahnhof Neustadt und (jetzt kommt’s) „Alberttower“.

Hierzu eine persönliche Anmerkung: Im Gegensatz zum gründerzeitlichen Albertplatz, der so heißt, weil er zu Zeiten Alberts I. eine Umgestaltung erfuhr, hat das DVB-Hochhaus weder historisch noch baugeschichtlich mit dem Regenten zu tun. Im Gegenteil, es ist eines der Zeugnisse der Dresdner Vorkriegsmoderne, weswegen die sprachliche Verknüpfung mit den Verkehrsbetrieben, ihrerseits ebenfalls ein Produkt der modernen Industriegesellschaft, sinnfällig und erhaltenswert scheint. Man kann in diesem Kontext nur warnen, das kulturelle Gedächtnis einer Stadt nicht durch unsinnige Umwidmungen oder Neuprägungen zu verwässern.

Zurück zum Quasi-Brachland zwischen Post, Neustädter und DVB-Hochhaus. Es gibt zwar Bestrebungen, hier eine Achse oder Meile zu schaffen, jedoch wird der Bedarf nach Einzelhandel städtischerseits weniger groß erwartet, als seitens etwaiger Investoren. Mehr noch: die Entwicklung des Postgeländes in seiner vollen Größe würde den Einzelhandel der Äußeren Neustadt schädigen. Überhaupt kranken nach Ansicht von Wurff viele ihm bisher untergekommenen Konzepte für die Neustadt daran, daß der Bahnhof Neustadt nicht vernünftig eingebunden ist.

Zum Hechtviertel ist positiv zu vermelden, daß die St.-Pauli-Ruine als Nukleus unterstützt wird. Die vom Stadtrat gebilligte, transparente Dach-„Wolke“ verschafft der Spielstätte nicht nur Witterungsunabhängigkeit, sondern sorgt auch für den nötigen Schallschutz. Die Kosten belaufen sich auf 2,5 Millionen Euro.

Komplex wird es im Fall des Neustädter Hafens, der (wie in Hamburg) unter dem Namen Hafencity vermarktet wird.

Das Areal wartet mit einiger denkmalgeschützter Bausubstanz auf: der Villeroy-&-Boch-Villa, dem Alten Schlachthof und dem Leipziger Bahnhof. Es gibt bereits Pläne, die eine kammartige Bebauung vorsehen. Jedoch hängen die Pläne letzten Endes von den Investoren ab. Hierbei sind diverse Hürden zu bedenken: der Hochwasserschutz. der die Kosten einer Entwicklung in die Höhe treiben würde; die Einbindung in das Radwegesystem; sowie die demographische Zusammensetzung des Stadtteils Pieschen, die nicht die angestrebte Luxusklientel der Hafencity darstellt. Wer auch immer dort als Erster investiere, müsse „klotzen, nicht kleckern“ und „eine Adresse bilden“, die weitere Interessenten nach sich zöge. Eine kleinteilige Vermarktung sei eher unwahrscheinlich, da der Freistaat die Grundstücke meistbietend verkaufe.

Was die Innere Neustadt betrifft, drückte Wurff nochmals sein Bedauern darüber aus, daß es nicht zu einer Realisierung des Libeskind-Baus gekommen sei, da der Architektur-Tourismus ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor sei (dem kann man zustimmen oder auch nicht). Als Filetstück darf sicherlich das noch nicht entwickelte Grundstück links der Augustusbrücke gelten, das z.B. für die Philharmonie in der Diskussion war. Hier verwies Wurff auf das Beispiel Potsdams, in der eine ähnliche städtebauliche Situation für einen Theaterbau genutzt wurde. Die Augustusbrücke selbst sei weiter Gegenstand von Überlegungen, sie nur noch eingeschränkt für den normalen Verkehr oder gänzlich nur noch für öffentliche Verkehrsmittel freizugeben. Hier existierten zwar keine konkreten Pläne, aber es lohne sich, darüber nachzudenken.

Verkehrsprognosen legten eine Verengung der Meißner Landstraße nahe, wobei der ÖPNV erhalten bliebe. Eine komplette Untertunnelung, wie sie die Gesellschaft Historischer Neumarkt favorisiere, werfe das Problem der Rampen auf, die auch in anderen Städten selten elegant in den Stadtraum eingebunden seien.

Der Archivplatz solle durch den Wegfall des Fußgängerstegs (wer benutzt den eigentlich?) und eine Pflasterung in seinen Platzqualitäten erfahrbar gemacht werden. (Die anwesenden Zuhörer schienen in der anschließenden Diskussion wenig überzeugt, daß diese Schritte allein genügen könnten).

Im Anschluß sprach Axel Bergmann, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Dresdner Stadtrat. Er wies zunächst auf die EU-Vorgaben hinsichtlich eines Luftreinhalte- und Lärmminderungsplans. Angesichts der Tatsache, daß die Äußere Neustadt der am höchsten lärmbelastete Stadtteil Dresdens ist, sicher sinnvoll. Er betonte, daß sich die Umweltzone in der Neustadt nur dann noch abwenden lasse, wenn der ÖPNV massiv ausgebaut werde.

Beim Thema des von OB Helma Orosz gestoppten Planfeststellungsverfahrens stellte Bergmann nochmals die erheblichen negativen Folgen der Variante B1 heraus, die das Abholzen aller Bäume entlang der Königsbrücker Straße nach sich zöge. Am morgigen Mittwoch wird dieses Thema in Form eines interfraktionellen Antrags im Bauausschuß diskutiert. Laut Verkehrsentwicklungsplan ist der Ausbau nur sinnvoll, wenn es zumindest eine Fahrspur ohne Straßenbahn und Abbiege-Verkehr gibt, die den Verkehr wieder ins Stocken bringen.

Ein Akzeptieren der Waldschlößchenbrücke zieht laut Bergmann Prognosen nach sich, wonach der Verkehr auf der Bautzner und Königsbrücker Straße um 30% abnimmt. Dies sollte in zukünftige Planungen einfließen.

Für die Albertbrücke ergibt sich das Problem, daß Planungen, die Radfahrern und Fußgängern ausreichende Platz verschaffen würden, eine Verbreiterung der Fahrbahn um 1,80 m je Seite erforderlich macht. Das Denkmalschutzamt würde aber nur 1,30 m je Seite zustimmen.

Von den Brücken zur Elbe: der Naherholungsraum Elbe ist von der Äußeren Neustadt immer noch durch die Barriere Bautzner Straße abgetrennt. Er wird aber aufgrund der weiter zunehmenden Einwohnerdichte an Bedeutung gewinnen. Nach dem Verlust des Welterbestatus versucht die SPD, mittels eines Antrags eine Schutzsatzung für den Elbraum auf die Wege zu bringen.

Im Zuge des Projektes NEUstadtmachen, das Kinder und Jugendliche nach ihren Lieblingsorten befragte, lag der Alaunpark mit Abstand vorne. Auch das Panama wurde oft genannt; es soll auch weiter aufgewertet werden. Somit ist die Neustadt auch Dresden-weit von Bedeutung. In diesem Zusammenhang ist auch die Aufstellung 1000 neuer Fahrradbügel relevant, die bereits zum Teil verwirklicht wurde.

Nachdem die Sanierung der Häuser der Äußeren Neustadt zu 95% vollendet ist, wird es in Zukunft – so Bergmanns und Wurffs einhelliges Fazit – um die Aufwertung der Straßen und Plätze gehen. Im übrigen sei die Äußere Neustadt eigentlich der einzige Stadtteil Dresdens, der der städtebaulichen Definition von Urbanität als einer Mischung aus Dichte, Mischung und Vielfalt entspreche.

Im Anschluß entspann sich unter den ca. 50 Anwesenden eine lange Fragerunde zur Klärung oder Vertiefung der angesprochenen Punkte, so daß die Veranstaltung alles in allem fast drei Stunden dauerte.

NB: Dieser Bericht erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch Richtigkeit – das Meiste ist an anderer Stelle bereits besser dokumentiert. Vielmehr ging es darum, das wiederzugeben, was bei Otto Normalinteressiert am Ende einer solchen Veranstaltung im Gedächtnis bleiben dürfte. Für Berichtigungen, zusätzliche Informationen, Links, Graphiken und vor allem natürlich Meinungen ist in den Kommentaren Platz!:-)

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18 Kommentare »

  • Salvador_DD sagte:

    Tausend Dank für diesen ausführlichen Nachbericht! Inhaltlich fehlt mir die Zeit für Äußerungen aber der Bericht ist klasse! Bleibt nur noch eine Frage:

    “Dieser Bericht erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch Richtigkeit – das Meiste ist an anderer Stelle bereits besser dokumentiert.”

    Wo?

  • Elbnymphe sagte:

    Also, ich habe beim Schreiben einiges gegoogelt und immer sofort irgendwelche SZ-Online-Graphiken oder Foren-Threads gefunden; des weiteren natürlich auf städtischen Seiten selbst. Wenn ich ein bißchen mehr Zeit habe, reiche ich gerne noch ein paar Links nach. Bis 2020 ist ja noch ein wenig hin und so muß es vielleicht nicht gleich heute noch sein? :-)

  • Martin Busche sagte:

    Liebe Elbnymphe,

    vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht, der sich ja einer Wertung der Veranstaltung weitgegend enthält.
    Ich werde das versuchen, da du die dort vorgebrachten Infos ja referiert hast. Ist übrigens auch wichtig, insofern hast du dir mindestens ein Fleißkärtchen verdient :-).

    Als Fazit des Abends habe ich die neuerliche Erkenntnis mitgenommen, einfach kein Sozialdemokrat zu sein. Die Sozialdemokratie zeichnet sich nämlich dadurch aus, irgendwie ein bißchen zu wollen, dann aber doch nicht wirklich was zu tun. Auch gestern wieder.

    So hat der sicher sehr freundliche SPD-Referent Bergmann gestern quasi jeden Bordstein erwähnt, denn es in und um die Neustadt zu versetzen gilt, auch kritisiert, wenn die Stadtverwaltung oder Denkmalschutz nur einen 1,30 Meter großen Radweg genehmigen wollte, statt eines 1,80 Meter breiten. Einen, im wahrsten Sinne des Wortes, Plan für die Neustadt, also konzeptionelles Denken, hatte er gestern nicht. Selbst auf Nachfrage habe ich nicht erfahren, wie denn die Vision der SPD für die Neustadt in den nächsten Jahren aussieht.

    Wird die Neustadt weiter als Partymeile wachsen mit neuen Theatern, Discos, Kneipen, die wild wuchernd im Viertel aufmachen und zum Teil kostbaren, billigen Wohnraum nutzen? Was ist überhaupt mit den jetzigen Bewohnern, die sich die ständige Party finanziell nicht leisten können? Sollen die in zehn, fünfzehn Jahren auch noch in der Neustadt wohnen oder müssen sie in Pieschen ein ödes Dasein fristen, während die Besserverdienenden in ihre Lofts einziehen?
    Wohin dann mit den ganzen Touriautos die auch jetzt schon durchs Viertel brausen und dafür sorgen, dass man selbst an der Prießnitzstraße kein Fenster mehr aufmachen kann?
    All diese Antworten ist der nette Herr Bergmann von der SPD schuldig geblieben, obwohl es der Veranstaltungstitel versprochen hatte. Stattdessen wissen wir jetzt jene Infos, die Elbnymphe hier referiert hat.
    Tut mir leid, das ist zwar interessant, reicht aber bei weitem nicht aus.

    Auch der Leiter des Stadtplanungsamtes hat im Grunde zugegeben, keinerlei Planungsidee für das Viertel zu haben. Für ihn ist alles im Viertel erlaubt, solange es der Markt trägt. Das gilt für den zweifelhaften Konsumtemmpel im ehemaligen DVB-Hochhaus und für die geplanten Luxusbauten im Neustädter Hafen. Ob damit der öffentliche Hafenrand für die Besserverdienenden privatisiert wird, entscheidet der Markt, offensichtlich nicht die Stadt, weil es Privatgelände ist. Das sich aus das in ein städtisches Entwicklungskonzept einzufügen hat, spielt für ihn offensichtlich keine Rolle.

    Ob die Ladenstruktur in der Neustadt platt gemacht werden, spielt für ihn ebenfalls keine große Rolle. Obwohl die DVB nicht privat ist, sondern der Stadt gehört.

    Ich finde das ärgerlich, ich als Bürger bezahle das Stadtplanungsamt nämlich für die Entwicklung und Umsetzung eines Stadtplaungskonzeptes, das eben auch die Neustadt mit umfasst. Seit gestern ich frage um so mehr, was den so ein Stadtplanungsamt den ganzen Tag macht. Gibt es wirklich keinen Entwicklungsplan für die Neustadt, darf wirklich jeder alles im Viertel, wenn er genug Geld hat? Spielt das Gemeinwohl gar keine Rolle mehr?

    Wie eng gestern diskutiert wurde, hat sich auch am Beispiel Martin-Luther-Platz gezeigt. Dort sollten Bäume statt Parkplätze hin, hatte Herr Wurff einst vorgeschlagen, war aber am Widerstand der Anwohner gescheitert.
    Weil die Anwohner angeblich keine Lust auf ein paar Meter Fußweg zu den Auto hätten.
    Ich finde das höchst ärgerlich.

    Denn tatsächlich liegt die Ursache für den Widerstand der Anwohner in einem fehlenden Verkehrskonzept für die Neustadt, wie es Linke, Grüne und Anwohner seit Jahren fordern. Das sieht z.b. einen zentralen Autoparkplatz für den Platz hinter dem DVB-Hochhaus oder oberhalb des Alaunplatzes vor. Ins Viertel kommen die Touris dann per Shuttle. Die Autos bleiben draußen und somit viel, viel mehr Platz für Bäume, gegen die sich dann kein Mensch in der Neustadt aussprechen würde. Finanziert würde das ganze von der DVB, also von der Stadt, von den ansässigen Gastronomen und den Touris, die übrigens auch laufen könnten, so weit ist es nicht.

    Doch soweit konnten oder wollten weder Herr Bergmann noch Herr Wurf in die Zukunft denken. Im Gegenteil, der SPD-Mann prognostizierte kühn, dass die Waldschlößchenbrücke 30 Prozent weniger Verkehr für die Bautzner Straße bedeutet.
    Ein solches Argument habe ich zum letzten Mal in den siebziger Jahren von den rechten Tradionssozis im Ruhrgebiet gehört, die damals ganz NRW mit Straßen zubetoniert haben.
    Kaum fünf Jahre später gab es dann die Grünen und mit ihr die mittlerweile unstrittige Erkenntnis, dass immer neue Straßen keinen Verkehr entlasten, sondern neuen produzieren.
    Ich will nicht böse sein, aber kann es sein, dass diese Erkenntnis in sächsische SPD-Kreise noch nicht vorgedrungen ist? Mag ich nicht glauben.

    Soweit mein Eindruck der Veranstaltung. Mein Fazit: Wer nur Infos wollte, wurde gut bedient. Wer auf die versprochenen Visionen für den Stadtteil gehofft hatte, wurde enttäuscht. Und noch eines wurde klar: Letzendlich müssen wir Bürger die Dinge selber in die Hand nehmen, unsere Umwelt selber gestalten, zur Not auch Widerstand gegen Beschlüsse oder Planungen leisten. Wer nur auf die Politik setzt, ist verloren.

    Gruß und Danke fürs Lesen

  • Elbnymphe sagte:

    Gruß zurück und Danke fürs Zunder geben! Muß Deine Antwort in Ruhe ein zweites Mal lesen, ehe ich darauf eingehen kann, dafür ist aber heute keine Zeit mehr. Bis bald an diesem Ort!

  • Ronald sagte:

    Ein guter Überblick über das gestrige Geschehen!
    War selbst da, musste aber nach den Vorträgen noch ins Stadtteilhaus – war ne unglückliche Überschneidung.
    Ergänzen möchte ich noch, dass der Russensportplatz in den Alaunplatz integriert wird (juchu) und das auch noch kurz die Wohnsituation nördlich des Alaunplatzes angesprochen wurde, wobei bemerkenswert ist, das dort 80% der Bewohner aus der Äußeren Neustadt sind.
    Zum Thema Paulick-Hochhaus am Albertplatz: Der Name DVB-Hochhaus is auch nur im Sprachgebrauch üblich, weil noch der DVB-Schriftzug hängt! Wenn er wegkommt brauchen wir einen universelleren Namen und da finde ich Alberttower (bzw. Albertturm) nicht verkehrt.
    Als letztes noch kurz eine Bitte an Herrn Bergmann: Beim massiven Ausbau des ÖPNV (vollkommen richtiges Statement) sollte der Fahrradverkehr nicht vergessen werden, 1000 Bügel war ein schönes Programm, aber es muss auch das dem entsprechende Fahrradwegenetz vorhanden sein! Gerade auch weil der Modal-Split Anteil in 5 Jahren um 4% gestiegen ist.

  • Elbnymphe sagte:

    Ronald, Danke für die Ergänzung. Ja, irgendwann hatte ich so großen Hunger, daß meine Aufmerksamkeit etwas litt, und das mit dem Russensportplatz und der „Oberen Neustadt“ fiel hinten runter.

    Bezüglich des DVB-Hochhauses wäre für mich interessant, von wann der Schriftzug stammt und ob er, ähnlich der Werbung am Margon-Hochhaus, nicht auch bewahrenswert wäre. Im übrigen heißt auch das Margon-Haus nach wie vor so, obwohl Margon dort weder seinen Sitz hatte noch hat, wenn ich recht informiert bin.

    Die Manie, alles umzubenennen, kennt man vor allem aus totalitären Regimes; „universell“ sind solche Namen niemals, sondern immer hegemonial: es wird einer Person, einer Sache etc. gehuldigt, die die Mentalität der jeweiligen Zeit bzw. des Systems veranschaulichen. Warum ich als Demokratin im Jahr 2010 einem toten Monarchen huldigen soll, entzieht sich meinem Verständnis.

    Weiterhin ist die Architektur weit davon entfernt, ein Turm zu sein; man sollte sich hier nicht an ihrem lächerlichen Pendant, dem Nudelturm, orientieren.

    PS Was gab’s denn Interessantes im Stadtteilhaus? Und hatte es etwaig damit zu tun, daß sich die Grünen statt bei den Sozis im Oosteinde trafen?

  • Salvador_DD sagte:

    Wisst Ihr, was mich wirklich mal freuen würde? Wenn wir mal ans Dreiköniggymnasium gehen und die dort fast 500 Schüler fragen, wie die sich eigentlich die Neustadt in 10 oder 20 Jahren vorstellen, welche Visionen sie von ihrem Viertel haben!

    Wir in unserer total verklärten Nostalgie reden von “Gentrifizierung”, von “Verdrängung ärmerer Bewohner” (wie viele von denen hängen noch an der Neustadt, so wie sie jetzt ist und wollen hier wohnen? Und wenn: warum?) und sind doch alesamt nichts weiter als alt gewordene “Bürgerkinder”, die den riesigen Abenteuerspielplatz Neustadt vermissen, den wir alle selbst mit aufgebaut haben und nichts, aber auch gar nichts ist langweiliger als ein fertiger Abenteuerspieltplatz.

    Klar überziehe ich jetzt, aber das tu ich ja eigentlich immer… :-)

    Wir jedenfalls, die wir hier alle diskutieren, wir sind nicht die Zukunft dieses Viertels – Wir sind ja sogar größtenteils nicht einmal dessen Vergangenheit!

    Aber was ist mit den Kids? Wo ist die Stellungnahme der Schulsprecher? Wo ist der Verein mit den Angeoten für die 14-18jährigen? In welchem Club können deren Bands spielen? Haben die überhaupt noch Bands? Wollen die eine Autofreie Neustadt? Finden die am Ende die Partytouristen cool! Wollen die hier wohnen bleiben oder möglichst schnell weg?

    Waren JuSos anwesend gestern? Gibt es die überhaupt in der Neustadt?

    Eine Sache, die mich schon eine ganze Weile beschäftigt! Ich hoffe, wir kriegen das hin, da mal was gemeinsam auf die Beine zu stellen, um deren Meinung mal wirklich öffentlich zu machen!

  • Martin Busche sagte:

    Hallo Salvador_DD,

    kenne deinen persönlichen Hintergrund nicht, aber ich wohne erst seit 2003 im Viertel, habe also nichts zu verklären. Im Gegenteil, ich spreche mich explizit gegen Stillstand, also für Stadtentwicklung aus. Wohin das führt, wenn Linke, und ein solcher bin ich, das vergessen, zeigt die Entwicklung des Hamburger Schanzenviertels.
    Dort wurde einst die Luxussanierung gestoppt, aber nicht weiter bedacht, was stattdessen aus dem Viertel werden soll. Nach jahrelangem Stillstand ist dann irgendwann doch der Luxus in Form einer scheinbar harmlosen städtebaulichen Maßnahme gekommen, die den jetztigen Hype auslöst.

    Auch aus dieser Erfahrung heraus, fordere ich in meinem Text ja gerade einen Entwicklungsplan ein. Denn so wie Stillstand abzulehnen ist, ist auch marktradikaler Wildwuchs abzulehnen, der sich gegen die ansässige Bevölkerung richtet.
    Wenn die Veranstaltung was gezeigt hat und das hat Elbnymphe richtig beschreiben, dann, welch positive Entwicklung das Viertel gemacht hat, genau durch solche staatliche Interventionen, wie sie Herr Wurff offenbar ablehnt. Es ist wie immer: Der Staat darf das Viertel mit Steuergeldern aufhübschen, dann kommen die Privatsierer und machen Kasse. Ich fordere einen starken Staat, der in Form der Stadt seine planerische Verantwortung wahrnimmt.
    Genau das haben weder Herr Bergmann von der SPD und der Stadtplaner getan.

    Ja, es waren Jusos da, die u.a. Bilder gemacht haben.
    Ja, es gibt bereits eine Umfrage unter Kindern, du kannst sie bestimmt beim Stadtplanungsamt bekommen.

  • SalvadorDD sagte:

    Hi Martin,
    mein Aussage war keine Antwort auf Deinen Kommentar, meine Antwort war eine total allgemeine Aussage und betraf ausschließlich den Wunsch, die Meinung der jüngeren zu kennen (wo denkst Du, finde ich die Ergebnisse? Wer hat die erhoben?)

    Aber kurz will ich mich auch dazu gerne äußern:

    Du sagst

    “Im Gegenteil, ich spreche mich explizit gegen Stillstand, also für Stadtentwicklung aus.”

    ..und da sind wir uns doch absolut einig! Das tu ich auch, nachzulesen u.a. in gefühlt mindestens 100 Artikeln auf http://www.dieneustadt.de – ab und zu sind da auch welche bei, wo ich die Handhabe der Stadt mit dem Vierteil ganz dezent kritisiere!

    Aber manchmal sind Entwickliungspläne eben auch besser und manchmal auch schlechter und gerade eine “starker” und “linker” Staat hatte damals ja nun wirklich ganz andere Pläne für die Neustadt!

    1989 haben “Aktivisten” der späteren IG Neustadt die Sprengung der ersten Häuser verhindert, die Plattenbauten weichen sollten. Damals konnte man sich noch auf ein Leitbild der Bewohner einigen! Heute ist das nahezu unmöglich, so vielfältig ist das Viertel geworden, so verschieden die Wünsche und Anforderungen!

    Was also sieht ein Entwicklungsplan vor? Darüber wird weiter zu diskutieren sein. Für mich stehen an erster Stelle:

    - Reduzierung des Autoverkehrs durch Nichtanwohner!
    - Erweiterung des Russensportplatz zur Schaffung größerer Freiflächen
    - Schaffung von Angeboten für Jugendliche zwischen 12 und 18 (Skatepark etc.) (z.b. am Russensportplatz)
    - Weniger Standbetreiber von außerhalb, die zur BRN als dem Identitätsstifter des Viertels für einen Appel und ein Ei Massenware anbieten
    - Eine mehrheitlich kreative und kulturelle statt einer kommerziellen Nutzung des Hochhauses am Albertplatz als nahezu letzte Bastion dieser Möglichkeit, wirklich neuen Kreativ-Raum zu schaffen!
    -Mehr Transparenz der Stadt im Hinblick auf ihre Pläne
    - Ein klares Bekenntnis zu Umweltverträglichen Verkehrsmaßnahmen

    Viel entscheidener als die Frage “Wie umgehen mit einem ziemlich fertigen und topsanierten Viertel” finde ich ja die Frage: “Was tun wir für die noch hungrigen Kreativen” – Wenn für die die Neusdtadt unerschwinglich geworden ist und gleiches droht, wenn sie jetzt andere Stadtteile aufwerten, welche Modelle kann es geben, um einen neuen kreativen Brennpunkt zu schaffen, ohne daß die Szene einen Stadtteil letzten Endes eben doch nur für spätere Immobilienhaie aufwerten!

  • Felix sagte:

    Wurde auch etwas über den neuen “REWE” mit Parkhaus an der Bautzner Straße erzählt?

    Ein absolut schwachsinniges Bauvorhaben… aber scheinbar nicht aufzuhalten, denn die Bäume sind schon weg…
    Wie wäre es dort mit einem Park??? Einkaufen kann man doch schon genug in der Neustadt! Und wenn der Albertturm umgebaut wird, dann schießt noch ein Einkaufsladen aus dem Boden…

    Wieviel Konsum (nicht die Marktkette “Konsum) braucht Dresden noch?

  • Martin Busche sagte:

    Hallo Felix,

    ja, das Bauvorhaben war lange Thema. Herr Wurff findet es nicht problematisch, weil es Randgebiet der Neustadt ist.
    Er stört sich nur etwas an der Architektur. Auch Herr Bergmann hatte wenig Bedenken.
    Herr Wurff glaubt, grundsätzlich verträgt das Viertel das und Parkhäuser braucht ja das Viertel.
    Näheres weiß aber vielleicht die Elbnymphe, die hat das ja dankenswerter Weise mitstongrafiert. :-)

  • Elbnymphe sagte:

    Das zu lernen würde sich allein schon lohnen, um Deine Pöbeleien aus dem Off während der Diskussion mitzustenografieren. ;-)

  • Elbnymphe sagte:

    JT, falls Du hier mitliest: Schade, daß man die Antworten nicht besser aufeinander beziehen kann.

  • Sirko sagte:

    Ist schon wieder 1. April oder ist da wirklich ein krummes Ding geplant? ;-)

  • information sagte:

    Über die die Argumente des “Anti-Albertpark”-Blogs hinaus finde ich, man sollte mit der “Transparenz” der Frau Töberich vorsichtig sein. Schön, wenn man die Menschen fragt, aber:

    1. Hier wird anscheinend versucht, gezielt öffentlichen Druck zu erzeugen, um die Planfeststellungsverfahren der Stadt möglicherweise unterlaufen zu können. Die sind zwar in der Tat langwierig, haben aber durchaus auch ihren Sinn. Äußerungen, das Gebäude würde in den nächsten zwei Jahren (oder so) einstürzen, wenn man nix dran macht, sind ja wohl mehr als übertrieben.

    2. Zu behaupten, dass ein Riesen-Einkaufszentrum nicht in Konkurrenz zu der kleinteiligen Händlerstruktur in der Neustadt stehen würde, ist ja schon ein wenig frech – und dieser Argumentation zu glauben, mehr als naiv. Die Rechnung ist ganz einfach: Kein großer Einkaufspark in der Neustadt = viele kaufen öfter in kleineren Läden. Großer Einkaufspark mit billigeren Lebensmitteln und größerem Sortiment = viele kaufen dort, die kleinen Läden haben das Nachsehen. Dass alle Leute bisher für ihren Wocheneinkauf immer in den Elbepark oder die Altstadt fahren, ist ja tendenziell Käse.

    3. Bei der SPD-Veranstaltung am letzten Montag im Herbert-Wehner-Bildungswerk hat Wurff genau vor diesen Auswirkungen gewarnt – und gleichzeitig betont, dass sogar der regionale Wirtschaftsförderungsverband (oder so ähnlich, der genaue Name dieses Verbands fällt mir grad nicht ein) das so sieht. Das sind ja nun zwei Stimmen (Stadtspitze und Wirtschaft), die einer Unternehmensansiedlung in der Regel positiv gegenüber stehen.
    Wenn sogar die schon warnen…

    Man soll ja nicht immer gleich alles schlecht reden, und ich fände es ja auch schön, wenn dort was Neues entsteht. Ich hab nur den Eindruck, dass hier eine größere und ganz strategische Öffentlichkeitskampagne am Start ist – und dass die Gefahr besteht, dass wir am Ende alle ganz schön dumm aus der Wäsche kucken…

  • Jan-Thomas sagte:

    JT, falls Du hier mitliest: Schade, daß man die Antworten nicht besser aufeinander beziehen kann.

    Hehe, hin und wieder lese ich hier schon mit ;-)
    Ich mach mich mal schlau ob man das optimieren kann

  • Salvador_DD sagte:

    @elbnymphe und @jt bezüglich “beziehungen der kommentare”

    Das beim Stefanolix gefällt mir ja nich so gut… Da ist zwar ein “Beziehungsmanagement” gegeben, aber für für neue Besucher liest es sich schon besser chronologisch..

    In sofern ist am Ende jeder selbst gefordert, den entsprechenden Beitrag deutlich zu machen, auf den man sich bezieht?

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