Ich kaufe viele “ü” (und ein ö) – Dresden wird zur weltöffenen Metropole
Eure Meinüng züm Plakat der Staatlichen Künstsammlungen (“KÜLTÜR GESCHICHTE”) zur Eröffnung der Türckischen Cammer ist gefragt! Ich selbst enthalte müch mal der Stümme!
Ich kümmer mich üm das Thema “Stadtmarketing” und den hülflosen Versüch, durch den Einbau des Wortes “weltoffen” in jedem offiziellen Slogan der Stadt nicht als Nazihochburg Mitteleuropas aufgefasst zu werden, ja schon in meiner Kolümne auf banq und will jetzt nicht noch tiefer in den Wünden bohren!
Kurz noch mal zum Hintergrund……….
Für 2010 wird „Dresden – Weltoffene Metropole der Kunst“ als Slogan für die Wiedereröffnung des Albertinum sowie der Türkischen Cammer und vielen anderen Höhepunkten in der ganzen Welt werben.
Im Zeichen der Frauen-Fußball-WM 2011 wird die „ Dresden – Weltoffene Stadt der Bewegung und Begegnung“ geplant.
So lauten übersetzt die Pressemeldungen zu den eigentlich ja lobenswerten Ideen der neuen Tourismuschefin Bettina Bunge, die ich durchaus schätzen gelernt habe durch bisher Erlebtes und Gehörtes.
Heute aber sehe ich das offizielle Ausstellungsplakat der Staatlichen Kunstsammlungen für die Türckische Cammer und da steht als Überschrift über ansonsten in klarstem Deutsch gehaltenen Informationen “KÜLTÜR GESCHICHTE” –
Es tüt mir leid, aber warüm zum Dübel habe ich das Gefühl, daß diese Wortkombi weniger dem Engagement für die Dresden-Türkische Freundschaft zu verdanken ist als einem Kneipenabend?
Natürlich ist das tatsächlich die reale Übersetzung des Wortes “Kultur” und kein Fantasiegebilde, aber ich habe das Plakat heute ausgerechnet in Löbtau das erste Mal entdeckt, als sich zwei elegant in Bomberjacken gekleidete Opfer des Haarausfalls an der Straßenbahnhaltestelle lauthals zereimerten.
“Kültür, Alter! Hahaha.. Ich kenn den ihre Kültür, ey! Fück mü, Üzgür, fück mü.” war das, was sie mit diesem Plakat verbanden!
Unglücklich? Lüstig? Peinlich? Wü gesagt, Eure Meinüng ist gefragt!
Ich bin raus und schüttel meinen Kopf ein wenig.. Zur Löckerung!

auf den ersten blick sind da schon 3 ö drin ;-)
Du kommst ja auch aus Loiben
Wenn das mit den (Gl)Atzen stimmt, dann wirkt zumindest das Plakat. An einem mit the strong August on gülden Horse wären die doch vorbeimarschiert. Musste einfach mal die Kritikerbrille mit der des Werbefuzzis tauschen. :)
Ich enthalte mich sowieso! Ich frage mich aber trotzdem, ob diese Plakate auch in Berlin und Köln aufgehängt werden und wenn ja, wie sie dort aufgefasst werden vom sozialdemokratischen Kunst-Gutmenschentum
“Kültür, Alter! Hahaha.. Ich kenn den ihre Kültür, ey! Fück mü, Üzgür, fück mü.” – gar nicht so unlustig, finde ich.
Anyway, Image geht über alles und klar sind die Leute im Rathaus voller Panik, dass Dresden als braunes Nest wahrgenommen werden könnte. Was sie nicht sein müssten, wenn es keinen Grund dafür gäbe.
Daher scheint mir die Häufung des Wortes “weltoffen” in Verbindung mit Dresden weniger eine Zustandsbeschreibung als eine Verdrängungstaktik zu sein. Nach dem Motto: “Wir malen uns die Welt wie sie uns gefällt.” Wenn die Welt dann doch ein bisschen brauner geworden ist, als geplant, na dann ist das auch nicht so schlimm, weil man aus dieser braunen Welt heraus ja prima den Fremden die Schuld für alles was schief läuft geben kann.
Ach ja zum Thema “Kültür, Türckische Kammer”:
M.E. verrät schon die Türckische Kammer an sich sowie deren Geschichte und Gegenwart weniger über die Türckei als über Dresden sowie dessen Geschichte und Gegenwart. Ich würde das was mit der Türckischen Kammer transportiert wird mal locker als reinsten Orientalismus bezeichnen. Es ist eine
Betonung des Fremden sowie eine Ausstellung dessen, was man dem Fremden abgerungen hat und dient m.E. der Rechtfertigung der Unterwerfung des Fremden.
Und das “Kültür”-Plakat dokumentiert, dass man sich mit dieser Einstellung nicht nur wohl fühlt, sondern sie offenbar sogar für modern und weltoffen hält. – Mon Dieu, ich glaube Dresden IST ein braunes Nest.
EDITH! Ich wollte mich ja enthalten!
Zwei nachvollziehbare Ansätze, mit der Verdrängungstaktik und dem Orientalismus. Auch wenn es weniger abgerungen, als (bestimmt auch) geschenktes Gut ist. Komme aber auch zu dem Schluß, dass sowas eher im 1X. Jahrhundert en vogue war. Wobei ich mich auch mal (mit Kind) bei Karl May oder im Völkerkundemuseum rumtreibe.
“Kültür” scheint mir insofern eher flappsig (heißt das so?), aber keinesfalls weltoffen. Zumal, jetzt die p.c. Lupe gezückt, die Dominanz des Ü in der türkischen Sprache der immer präsenten Wurst beim Deutschen gegenübersteht. Und das man in Istanbul eine Ausstellung über Meißner Zweibelmuster mit “Alles Bockwurst” bewirbt, will ich bezweifeln. Da denk ich mich aber auch gerade zu sehr ins Thema und Seb sowieso. Weiß die Stadt eigentlich um Deine diversen Vorschläge von unten?
@the ox
Der Bockwurstvergleich lag mir auf der Zünge, aber ich bin ja neutral, heute. Aber “weltoffen” in jeden Satz zu bauen ist eindeutig schlichtweg plump.
Wegen der anderen Sache: Ich bin mir sicher, daß in den Reihen der Stadtverwaltung und des Stadtrats höchstens 10% jemals was von “Blogs” (geschweige denn banq.de) gehört haben; Also: NEIN, sicherlich nicht.
Neulich hat mir das jemand sehr gut erklärt nach meinem Ökophobieartikel, in der mich folgendes fragte:
Wenn man die Mitarbeiter der Stadtverwaltung fragt: “Wie würden SIe am liebsten leben?” A: In einem Einfamilienhaus mit 100qm am Stadtrand, B: in einem modernen Industrieloft mit 100qm in der Innenstadt oder C: in einer gemütlichen Altstadtwohnung mit 100qm in der Neustadt.”, wie wäre dann das Ergebnis!
ich tippe zu 90% A. “na eben” sprach er
Zu Gute halten muss man, daß die KülTürei wirklich durchgezogen wird und es somit wohl kein einzelner “Gag” ist.
Vergleiche dazu auch u.a. den Twitter Account der staatlichen Kunstsammlungen (hört, hört)
http://twitter.com/skdmuseum
Dort immerhin auch wirklich immer mit türkischer Übersetzung diverser Themen! Also, alles halb so schlümm?
Also ich finde es richtig gut. Ein Plakat hat zunächst immer plakativ zu sein. Daher der Name. Hihi. Das ist es, und das funktioniert. Genau so gut wie die “Ich sah den Schatz”-Kampagne zur Eröffnung des Grünen Gewölbes. Respekt. Wir machen auch solche Sachen, aber ich wäre froh, wenn das von uns wäre :) Man kann das natürlich intellektuell und politisch korrekt kleinreden, aber das ist halt auch wieder typisch Dresden.
Die Weltoffen-Kampagne des Stadtmarketings steht auf einem ganz anderen Blatt. Das ist die provinzielle Dresden-Masche, die bemüht an die Leichtigkeit des Seins anschliessen möchte. In unerträglicher Weise.
“Ich sah den Schatz” hat mir tatsächlich auch sehr gut gefallen! Zu “Kültür” halte ich mich zurück… ;-)
Schön zu sehen, daß man sich sachlich und humorvoll darüber in einem Blog austauchen kann! Das nenn ich Streitkültür!
@ Dominik:
“Man kann das natürlich intellektuell und politisch korrekt kleinreden, aber das ist halt auch wieder typisch Dresden.”
Warum die obigen Analysen so abwerten und was an diesen ist typisch Dresden? Intellektuell und politisch korrekt ist nicht so deins, oder? haha
Ich finde es eher problematisch, dass da auf dem Plakat schon wieder mal mit dem Bild einer Waffe geworben wird. Hat diese Ausstellung keine anderen Exponate zu bieten?
Dresden ist jedes mal die Reise wert.
Naja, fast jedes Mal… :-)
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