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Schlimmer als die Schweinegrippe: Immer mehr Dresdner leiden an Ökophobie

von SalvadorDD am 26 Januar 2010 501-mal angesehen 29 Kommentare

Schlimme Nachrichten erreichen uns dieser Tage aus der Abteilung “interne medizinische Betreuung” der Stadtverwaltung Dresden. Der Krankenstand erhöht sich täglich und sogar noch überproportional zum sowieso schon beängstigenden Umstand, daß die Zahl der Klinik-Patienten trotz Bevölkerungsrückgang in Sachsen weiter steigt.
Neben Depressionen engagierter Mitarbeiter, die sich für einen gewalt- und nazifreien 13. Februar eingesetzt hatten und Panikattacken bei Verantwortlichen gewisser Straßenausbaugebühren, weiten sich in dieser Woche die Fälle von Ökophobie dramatisch aus.

Insbesondere im Stadtplanungsamt werden die Mitarbeiter seit letzter Woche intensiv geschont. Die Worte “Fahrrad”, “öffentlicher Nahverkehr”, “Solarenergie” und vor allem “alternativ” dürfen nicht mehr laut ausgesprochen werden.

Und im Grunde hält sich da auch jeder dran (eigentlich ja auch sonst) und alles wäre halb so schlimm, käme es nicht gerade jetzt zu politischen Einmischungen, die geeignet sind, ein völliges Personalchaos zu verursachen. Oberbürgermeisterin Helma Orosz macht dabei den Anfang von ganz oben und haut einen Vorschlag raus, bei dem sogar den Betroffenen der harmlosenen Form der Ökophobie “Autohabitus Toyota” ganz grün vor Augen wird. Ihr Vorschlag, einen Beauftragten für den Radverkehr einzusetzen, der die Interessen der Radfahrer stärken soll, hatte fatale Felgen, ääh Folgen. BUMM ZACK PENG, wieder zwei Leute krank geschrieben. Was erlaubt die sich eigentlich? Ich meine, hej, der bisherige Verantwortliche hat immerhin laut Arbeitsvertrag 16% seiner Arbeitszeit völlig überflüssigerweise für die bekloppten Fahrrad-Hippies verschwenden dürfen und sich dafür einem Mobbing innerhalb der Abteilung aussetzen müssen, wie es eine vom Gatten verlassene, westdeutsche Frau mit Übergewicht und Sprachfehler in einem beliebigen Callcenter zwischen Klotzsche und Zittau nie ertragen musste. Die psychischen Schäden des armen Mannes muss man sich mal vorstellen: Der hatte sich für die Belange von Fahrradfahrern einzusetzen!!!!!!!! Um einen angemessenen Konkurrenten für die Verursachung von Lachern zu finden, muss der Mann sich schon mit Weltrekordler Mario Barth anlegen. So richtig herzlich lacht über den ja auch keiner. Naja, ok, in Dresden vielleicht schon?!?

Kein Wunder jedenfalls, daß besagter Mitarbeiter laut SZ sofort ablehnte, diese neue Position zu übernehmen. Und jetzt finde mal einen anderen Blöden…..Da kann ich mich auch gleich als Spieler von Red Bull Leipzig bei Dynamo bewerben oder als schlackisger Computerfreak am Sportgymnasium. Sadomasomobbing?

Ok, natürlich gibt es doch Chancen auf den einen oder anderen Bewerber. In anderen Städten mit 500.000 Einwohnern gibt es ja teilweise sogar bis zu vier Fahrradbeauftragte. Vielleicht hat ja von denen einer die Schnauze voll und will endlich mal dort arbeiten, wo man die Entwicklung des Otto-Motors schon registriert hat.

Besonders schlimme Ausmaße erreicht die Ökophobie - wie schon in vergangenen Epidemiestadien - innerhalb der FDP, was auch Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP) jetzt erfahren musste, als ihn sein Partei-Vorsitzender Johannes Lohmeyer (FDP) öffentlich aufforderte, die “Ökobürokraten endlich zu stoppen”.

So groß ist die Angst der blaugelben Experten (FDP) vor dem jetzt vorgestellten Plan zur Minderung des Verkehrslärms in der Neustadt(, der am Ende dazu führen könnte, plötzlich mit dem Auto noch langsamer durch die Neustadt fahren zu müssen), daß jedwede - sonst übliche - Contenance links und rechts überholt wird.

Statt mit einem vernünftigen Mix aus Infrastrukturmaßnahmen und Verkehrsleitsystem dafür zu sorgen, den Verkehr in und um die Neustadt flüssig abfließen zu lassen, holen die Bürokraten des Umweltamtes die große Verbotskeule aus dem Jutesack.” so Lohmeyer. (Wie man einen ökophoben Patienten in 5 Minuten umbringen kann wissen Sie, oder? Man stelle sich an sein Krankenbett, halte einen Jutebeutel in der Hand und sage: “Ich habe Dir einen Schal gestrickt”.)

Mit vernünftigen Infrastrukturmaßnahmen ist übrigens der längst überfällige Hubschrauberlandeplatz am Alaunpark für prominente Szenetouristen sowie der vierspurige Ausbau der Königsbrücker und der Bautzner gemeint.

Und dafür wird es ja auch nun wirklich endlich Zeit, denn sonst droht der Stadt eine Seuche, wie sie es seit der Pest im Dreißigjährigen Krieg nicht mehr erlebt hat. Und das wo doch mit der Waldschlößchenbrücke endlich das passende Placebo gefunden wurde, um die größten Zielgruppen in Dresden gesund zu halten. Ach, das wussten sie nicht? Doch, doch, die Brücke diente alleine dazu, den ökophoben Rentern und Arbeitslosen der Stadt ein Heilmittel zur Vermeidung einer psychischen Ansteckung an die Hand zu geben. Die dürften zwar statistisch die meiste Zeit und die wenigsten Autos haben, haben sich aber in ihrer Angst vor einer autofreien Zukunft so vor Schmerzen gequält und gewunden…schrecklich war das.. ehrlich. Kein Wunder jedenfalls, daß aus diesen Reihen fast die höchste Zustimmung zum Brückebau erfolgte.

Ich wünsche dem Fahrradbeauftragten jedenfalls viel Glück und Erfolg bei seiner Arbeit. Ich hoffe, er greift nicht irgendwann zur Flasche wie so viele andere vor ihm: Auf dem Sattel gelten ebenso strenge Alkoholgrenzen wie am Steuer eines Tourans! Und, man, das noch schnell zum Ende, es gib wirklich kein geileres Auto, um beim Ökobauernhof in Meißen frisches Fleisch zu kaufen!

29 Kommentare »

  • Al sagte:

    Bravo!

  • Torsten sagte:

    Sehr schön!

  • Anton Launer sagte:

    Klasse!

  • Micha sagte:

    das mit dem Hubschrauberlandeplatz ist echt keine schlechte Idee

  • Andrea sagte:

    Eben auf dem Durchgang zwischen Stadtteilbibliothek und Polizeiwache: Eine ältere Frau (geschätzte 55 Jahre) steht mitten auf dem Weg und guckt in den Himmel. Als ich vorbeilaufe, zeigt sie nach oben zum Hubschrauber und sagt erfreut ” Der holt uns ab. Zur Disko.”

    Ähm…

  • salvador_dd sagte:

    Andrea, das Durchschnittsalter unser Leser beträgt mit Sicherheit eher 40 als 30 und somit dürften hier diverse 55jährige mitlesen und diese als “ältere” Menschen zu bezeichnen ist schon irgendwie gemein

    Ich meine, hallooo, was bin ich dann? Ein kurz davor, ein älter Mensch zu sein?

    Ist der Hubschrabbschrabb eigentlich noch da?

  • Andrea sagte:

    @salvador: Ich hab eigentlich nur etwas unglücklich formuliert, dass die Dame älter war - und dies ganz sicher um mindestens zwei Jahrzente. Darf man eine andere Generation als “älter” bezeichnen? Ich denke schon. Im Zusammenhang mit dem aktuellen Text, dem Hubschrauber heute und ihrem Flugziel “Disko” fand ich es eine witzige, weil zufällige Anekdote. Aber ich wollte nicht vom Thema ablenken.

  • Andrea sagte:

    edit: Jahrzehnte

  • christoph sagte:

    “Und, man, das noch schnell zum Ende, es gib wirklich kein geileres Auto, um beim Ökobauernhof in Meißen frisches Fleisch zu kaufen!” …………
    DOCH….MAN KAT 1 8×8

  • SalvadorDD sagte:

    @ANDREA: ich fands auch witzig!!! :-)

  • Norbert sagte:

    SUUUUPER
    hab lange nicht mehr so gelacht :-))

  • wolfgang sagte:

    salvadordd- du willst wohl wirklich dd retten?
    aber hast vielleicht nur `ne KFZ-Phobie?

  • salvadordd sagte:

    Hej “Wolle”, danke für den kritischen Einwurf! Du hast vielleicht recht und ich sollte da was klar stellen.

    Liebe Leser, bevor hier ein falscher Eindruck entsteht! Ich fahre Daimler (BJ 92) mit 1,8 Liter Hubraum (Benziner) und habe jahrelang n Saab 900 (BJ 82 mit 2 Liter Hubraum) und einen T4 (Dehler Luxus Umbau) unterm Arsch gehabt..

    Du siehst da was falsch, denn: Ich LIEBE Autos! Aber ich geh trotzdem 4 von 5 Tagen zu Fuß zur Arbeit, fahre saugerne mir dem Fahrrad und versuche, wann immer es geht, die Straßenbahn zu nutzen. Ich bin weder öko noch ökophob, ich darf mich also lustig machen, verstehste? Hm, wohl eher kaum nehme ich an. Humor scheint nicht Deine Stärke zu sein…..

  • Thomas sagte:

    Die einzige Möglichkeit, die Neustadt sinnvoll vor Lärm zu schützen, ist ein absolutes Fahrverbot für PKWs in der Neustadt.
    Viel Spaß bei der Umsetzung;)
    Im Übrigen hätte ich gern noch einen Mopedbeauftragten für Dresden, deren Belange sind eindeutig unterrepräsentiert!

  • salvadordd sagte:

    GEIL! Man stelle sich vor: Klassentreffen in Hoyerswerda Juni 2013.

    “Und Du so?” “Na, Anwalt für Familienfragen.” “Und Du?” “Naja, so mit Musik und so..” “Und Du?” “Mopedbeauftragter der Stadt Dresden.”

  • christoph sagte:

    Pkw-verbot für die Neustadt fänd ich auch super……
    da wäre mehr Platz für den KAT 1 und ich käm besser um die Kurven…
    schöner Beitrag salvadordd, hier gibts ja sonst kaum was zum lachen….

  • salvadordd sagte:

    „Drei Dinge sind im wirklichen Leben von Bedeutung: Gott, die menschliche Dummheit und der Humor. Die ersten beiden werden wir nie verstehen, also müssen wir uns an das dritte halten.”

    das ist nicht zum lachen, das ist nicht zum lachen, das ist.. ach was weiß ich

  • salvadordd sagte:

    und wegen der KAT 1 - baumaschinenbilder.de gehört (IN ECHT!!!!!!) zu meinen lieblingsseiten - und bei meinen söhnen erst

  • Thomas sagte:

    Na wir wollen mal auf dem Boden bleiben, PKW-Verbot ist Unsinn. Genauso wie es illusorisch ist, den Lärm in der Neustadt zu mildern. Sinnvoll wäre nur, die restlichen Kopfsteinpflasterstrecken durch Asphalt zu ersetzen. Geht nicht, weil Denkmalschutz…
    Ich hätte noch einen Beauftragten zu bieten: Den Kinderwagenbeauftragten, immerhin sind nicht alle Fußwege KiWa-gerecht u die Geburtenzahlen steigen:)

  • SalvadorDD sagte:

    Darauf antwortet jetzt wahrscheinlich keiner, aber mich würde wirklich ERNSTHAFT interessieren, was ihr vom Prinzip “Spielstrassen” handelt! Also der Möglichkeit, als Anwohner im Schritttempo bis vor die Haustür zu fahren, während jeder Auswärtige auch auswärtig parken muss bzw. auch im Schritttempo über diese Buckeldinger (Huckel?) kriechen muss.

    Aber da kommen die LKW (Netto, Druckerei, Kneipenbier) nicht mit klar, oder?

    Ihr merkt, ich bin kein Verkehrsexperte…..

  • Anton Launer sagte:

    Wo kann man sich als Mopped-Beauftragter bewerben?

  • salvador_dd sagte:

    Ganz im ernst? Ich habe die ganze nAcht darüber nachgedacht, daß DAS wirklich eine sensationell geile Idee ist.

    wenn ein Moppedbeauftragter der Stadt dafür sorgen könnte, daß in Dresden die Zahl der Rollerfahrer steigt (Canaletto italiano - fahren wir vespa in dresden, si si) und insbesondere im sommer vielleicht 10% mehr menschen mit dem roller statt mit dem auto fahren, dann freut das vor allem:

    die touristen (hej, wie in italien hier)
    die Autofahrer (hej, gibt ja viele parkplätze jetzt)
    -> und somit die DFP (siehe oben)

    und die umwelt? (frage an die abgasexperten unter euch)

    Also, das könnte ein sehr schönes Thema für meine Stadtmarketing-Kolumne werden!

    Thomas, darf ich das “klauen”?????

  • andi sagte:

    Schöner Text wieder Herr Salvador!

  • malle sagte:

    “Aber ich geh trotzdem 4 von 5 Tagen zu Fuß zur Arbeit, fahre saugerne mir dem Fahrrad…”
    du hast ein fahrrad???

    wegen den mopeds: das sind ja größtenteils zweitakter. und da sieht es mit den emissionswerten wohl auch nicht so gut aus.
    aber nächsten sommer hab ich meine simson hoffentlich endlich wieder einsatzbereit. leihe ich dir dann gerne mal. für den selbstversuch, sozusagen.

  • salvador_dd sagte:

    Ich hab sogar ZWEI!! Meine Meniskusprobleme haben mich nur abgehalten!

    Ich habe übrigens heute das hier entdeckt (wie gesagt, mein Hirn arbeitet grad im zweitakt)
    http://www.geco-scooter.de/
    (Elektroroller)

  • Thomas sagte:

    Darfst du gern. Wie wär’s dann mal mit einer Mopedtour? Dann komm ich mit meiner Schwalli!
    Ein bisschen mehr italienisches Flair tut der Stadt auf jeden Fall. Schließlich heißen wir auch Elbflorenz…

  • Anton Launer sagte:

    Immer diese Rollerfahrer, ich hatte da eher an richtige Moppeds gedacht …

  • salvadordd sagte:

    Anton, das liegt daran, daß ich n bornierter Wessi bin und bei Moped irgendwie immer sofort an Mofas der Sorte Puch denke und nicht an “echte” Moppeds.

  • Klima-Zoni sagte:

    “Lohmy” ist nicht ökophob, der ist ökoschizophren!

    Vergleiche dazu

    http://macrander-hotels.de/omarketing/07-03/
    “Ein Wandel, der uns alle betrifft, ist der Klimawandel. Jeder von uns kann etwas dagegen tun.
    Bei uns werden z.B. keine Elektrogeräte mehr im Standby-Modus betrieben. Bei einigen hundert TV-Geräten und Haartrocknern ist das viel gesparte Energie. Für den Luxus einer ganzjährigen Rundumversorgung belasten wir die Umwelt”

    mit

    http://www.bestwestern.de/pressetext/content/140809b
    “Klimawandel in den Best Western Macrander Hotels
    Thema: Die Best Western Macrander Hotels in Dresden und Offenbach a. M. haben sich für den Sommermonat August etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Hitzegeplagte Anwohner finden bei entsprechenden Temperaturen Zuflucht in den beiden klimatisierten Hotels”

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