Home » Gesellschaft, Politik, Protest, Shopping, Verkehr, Zukunft

Manchmal möchte ich gerne 4-spurig Kotzen können

von SalvadorDD am 22 November 2009 10 Kommentare

Wenn man so spazieren geht und trotzdem schlechte Laune hat, dann hat das verschiedene Ursachen.

Es gibt zum Bespiel Tage, an denen tritt man mitten auf dem Gehweg in Hunde-AA und wünscht sich ein Diarrhoe geplagtes Kamel, um dieses mal passende Worte an asoziale Hundehalter vor die Zoohandlung in den Schnee kacken zu lassen. Fast wieder schmunzelnd über diesen Gedanken tierischer Rache fällt einem dann ein, dass Kamele wahrscheinlich arabisch schreiben und deutsche Doggenbesitzer in der Mehrheit eher seltener im Arabisch-Kurs angemeldet sind und somit die ganze Aktion sowieso für den Arsch gewesen wäre und die schlechte Laune sinkt auf den Gefrierpunkt..

Dann gibt es Tage, da stolpert man über Schlaglöcher, bei denen es selbst im 4-Rad angetriebenen Panzer ungemütlich wird. Und dann gibt es Schlagzeilen in der Sächsischen Zeitung, bei denen bleibt einem das 4 schrötige Brot im Halse stecken und man möchte….. Nun ja! Was auch immer.

So zum Beispiel gestern beim Lesen des Artikels “Ausbauplan: Bautzner Straße vierspurig”.

Herr Baubürgermeister Marx hat Verkehrsplaner beauftragt, eine 2- und eine 4-Spurige Variante zum längst fälligen Ausbau der Bautzner Straße durchzuspielen. Die Verkehrsplaner sehen dabei in der 4-Spurigen Variante massive Nachteile für Radfahrer, Fußgänger und Anlieger (Händler). “Um die vier Spuren unterzubringen, sollen die Gehwege von heute 4,50 Meter auf 2,80 Meter Breite verkleinert werden. Dafür können die Geschäfte künftig keine Waren mehr vor ihren Läden aufstellen. Der Variantenvergleich der Planer ergab, dass auf den Gehwegen nach Abzug des Platzes für die Straßenbeleuchtung nur noch 1,80 Meter nutzbarer Fußweg bleibt. In der Untersuchung wird dies als unzumutbar bezeichnet.” schreibt die Sächsische Zeitung.

Auch müssten bei der 2-Spurigen Variante nur 33 statt 133 Bäume gefällt werden, die Lieferanten der Händler bekämen keine Probleme, die Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger wäre wesentlich höher.

Und Herr Marx? Dem gefällt persönlich die 4-Spurige Variante trotzdem besser und so will er diese dem Stadtrat zum Beschluss vorlegen!

Liebe Stadtoberen, sehr geehrter Herr Marx, dieses 4tel hier heißt Neustadt und nicht Nürburgring! Ja, es stimmt, es ist weltweit bekannt für sein pulsierendes Leben, aber damit sind Fußgänger gemeint, spielende Kinder, Strassenmusiker, flanierende Szenemenschen, eitle Pfauen, angetrunkene Punks, Fahrradfahrer und Studenten und Keine Autos!!!!

Wenn wir uns Gedanken über das Image unserer Stadt machen, dann sollten wir das nicht tun, in dem wir den ADAC als einzige Zielgruppe annehmen!

Manchmal möchte ich wirklich gerne 4-spurig Kotzen können.

PS: Alle Angaben basieren auf einem Artikel der Sächsischen Zeitung und meiner Lesart desselben. Nur allzugerne lasse ich mich überzeugen davon, dass ich ihn falsch verstanden habe!

Ähnliche Artikel

10 Kommentare »

  • Anton Launer sagte:

    Hm, das heißt dann, der Stadtrat lehnt die Marxsche Variante ab und das Regierungspräsidium erklärt dann, dass nur vierspurige Bautzner Straßen förderwürdig sind.
    Dann muss eigentlich nur noch der Bischofsweg vierspurig werden und die Neustadt wird zur Autobahnraststätte. Super!

  • Hendrik sagte:

    Ich habe mir die beiden Varianten mal in der SZ angesehen. Eine Verkleinerung des Bürgersteigs auf 1,80 m ist natürlich völlig indiskutabel. Allerdings hat die vierspurige Variante einen entscheidenden Vorteil gegenüber der zweispurigen: sie ist ohne Radweg, dafür aber mit breiterer Fahrspur geplant. Damit ist sie nicht – wie dargestellt – unsicherer, sondern wesentlich sicherer als die Variante mit Radweg. Auf einen Radweg, der als Parkplatz für Lieferverkehr, Spielplatz für Kinder und Flaniermeile dient, kann ich als Vielradler gerne verzichten. Kaum ein Ort ist für Radfahrer so gefährlich wie ein Radweg. Eine überbreite Fahrspur mit Radstreifen ist wesentlich radfreundlicher. Deshalb: Ob 2 oder 4 Spuren – Hauptsache ohne Radweg.

  • Tweets die Manchmal möchte ich gerne 4-spurig Kotzen können | Die Neustadt erwähnt -- Topsy.com sagte:

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Salvador_DD , Hendrik Odendahl erwähnt. Hendrik Odendahl sagte: @Salvador_DD Nicht so schwarz-weiß malen. Kommentar siehe Neustadt-Blog. http://arm.in/89W [...]

  • Jan-Thomas sagte:

    Auch wenn Radwege alles andere als sicher sind – mit hat mal vor einiger Zeit ein befreundeter Anwalt erzählt, das es verwaltungsrechtlich überhaupt nicht mehr rechtens ist, Bundesstraßen ohne Radwege zu planen bzw. zu bauen (siehe Antonstraße). Da muss halt wieder nur irgendwer klagen…

  • Thomas sagte:

    Gebe Euch völlig Recht. Eigentlich dachte man ja immer Dresden hat in puncto Radwege einiges aufzuholen – mittlerweile scheint es aber das dies gar keiner mehr will…
    schade!

  • Bernhard sagte:

    Hat es nicht noch vor einiger Zeit geheißen, mit der schönen neuen Waldschlößchenbrücke würde die Neustadt von Verkehr massiv entlastet werden, gerade in diesem Bereich?
    Kaum ist das Ding durch und in Bau, ist offenbar alles nicht mehr wahr, die Königsbrücker muß dringend vierspurig ausgebaut werden, und jetzt auch noch die Bautzner?
    @Hendrik: die Benachteiligung der Fußgänger durch zu schmale Gehwege wiegt für mich sehr schwer, das führt dazu, daß die Straße auch für Einzelhandel und Gastronomie noch viel unattraktiver wird, als sie vielleicht schon ist.

  • HendrikO sagte:

    @Bernhard: Für mich auch, ich habe es aber bewußt nicht in meine Betrachtung einbezogen, weil es mir hier nur um den Radweg ging.

    Ich bin übrigens der Ansicht, daß ein Radweg auf dem Gehweg dort gar nicht genehmigunsfähig ist. Im Zweifel wird sich schon jemand finden, der ihn vor dem Verwaltungsgericht wegklagt. Und dann dürfen die Autos auf der dann viel engeren Fahrspur hinter den Radlern herfahren. :-/

  • Jochen sagte:

    Wem die Verwaltung Radwege sagt meint sie heute meist Radfahrstreifen auf der Fahrbahn, die sind nicht so schlimm wie Radwege, aber auch nicht wirklich sicherer als die Fahrbahn, zumal in der Neustadt garantiert zugeparkt. Es ist eine Zwickmühle, das Einzige was den Radfahren wirklich sicherer macht sind mehr Radfahrer im Straßenbild, und dass bekommt man ohne Radstreifen/-wege leider nur schwer hin.

    Aber egal ob ohne oder mit Radfahrstreifen, die Fällung der wahrscheinlich letzten Dresdner Allee, das komplette Abschießen der “nichtverkehrlichen Funktionen” der Bautzener Straße, die Zerstörung des Straßenbildes, die Dominanz eines Verkehrsmittels zulasten von Lebensqualität, Stadbild, von Klima und Gesundheit ist eine unheimliche Frechheit! Ein Straßenausbau muss eine Verbesserung sein für alle, keine Bevorrechtigung der Minderheit, die nur ans Autofahren denkt. Zudem: 60% der Wege in Dresden werden ÖPNV, Fahrrad oder zu Fuß erledigt – ohne Auto. 60% der Haushalte haben nicht mal ein Auto, in der Neustadt sind das noch wesentlich mehr!

  • Diskussionsveranstaltung „Highway Bautzner oder stadtteilverträgliche Sanierung”“ | Die Neustadt sagte:

    [...] Bei dem Gedanken an die Pläne des Dresdner Baubürgermeisters kann man, gelinde gesagt, (fast nicht mehr) nur die Stirn [...]

  • Kommt die Bautzner Straße vierspurig? | Die Neustadt sagte:

    [...] und kein Platz mehr für eine eigene Fahrradspur wäre. Zu Erinnerung: Vor einem Jahr war bekannt geworden, dass der Dresdner Baubürger- meister Jörn Marx (CDU) den Rat der von ihm beauftragten [...]

Kein Spam, keine Beleidigungen und bitte immer schön freundlich.

Du kannst folgende Tags benutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>