Die „Obere Neustadt“

„Obere Neustadt“, das ist der klangvolle Name, den die Wohnen am Alaunpark GmbH & Co. KG (die auf ihrer Website skurrilerweise mit einem Altstadt-Panorama wirbt) ihrer Neubausiedlung gab. Ein städtisches Gefühl wollte sich allerdings nicht einstellen, als ich heute auf dem Gelände einen Spaziergang unternahm.
Es gibt zwar keinen Pförtner; dennoch hat man auf den schmalen gepflasterten Pfaden das Gefühl, in eine gated community einzudringen. Alle Eigentumshäuser scheinen bewohnt; Kinder plantschten in aufblasbaren Becken, während – kurioses Detail – die Erwachsenen sich unter den immergleichen, hängenden High-Tech-Sonnenschirmen sonnten.
Was früher im Geräteschuppen still und heimlich stattfand, wird nun für aller Augen an dem wohl neudeutsch “Pflanzstation” genannten Ort inszeniert. Das ist ein großes, L-förmiges Möbel, auf dem Säcke mit Erde und verschiedene Topfe verstaut werden, und wo bei Bedarf den Oliven- und Kumquat-Bäumchen zu einem neuen Zuhause im toskanischen Terracotta-Topf verholfen wird.
Die Geschmackssicherheit ist hoch, doch sorgen all die IKEA-, habitat- und Arne-Jacobsen-Möbel, die hinter den großen Fenstern sichtbar sind, für so große Konformität, daß man sich hämisch einen Nachbarn mit einem Faible für Gartenzwerge und einer Ferrari-Fahne herbeiwünscht.

Von den Wohnungen im vorderen, der Straße und dem Alaunplatz zugewandten Teil sind einige noch unbewohnt. Der neueste Clou in puncto Gartengestaltung scheint es zu sein, den Rasen vor den Schiebetüren mit einem Holzdeck zuzuzimmern.
Alles in allem hatte ich gemischte Gefühle: die Architektur scheint großzügig bemessen, doch die große Nähe zu den Nachbarn könnte auch als Aufeinander-Glucken empfunden werden.


Sehr schöner Bericht. Auf den Bildern vermitteln Die Zäune ein wenig den Charakter einer Zooatmosphäre. Ich glaube ich schau mir das morgen auch mal an – darf man füttern ? ;)
Bitte nur Bio-Bananen! :-)
Wenn schon Copy&Paste im CAD-Rechner, dann sollte man hinterher wenigstens noch Details abändern.
Ansonsten wirkt das alles viel öder als ähnliche Siedlungen von vor 100 Jahren. Und damals hat man wenigstens nen Garten , der sich so schimpfen darf, dazubekommen.
Stephan, denkst Du an Hellerau? Oder worauf spielst Du an?
Tja, die Obere Neustadt löst auch bei mir sehr zwiespältige Gefühle aus: Erst mochte ich das Konzept einer bürgerlichen Exklave am Rande der Neustadt überhaupt nicht, lief bei mir nur unter dem Namen “Volvo-Getto”.
Dann habe ich den vorderen Riegel im Rohbau besichtigt, fand die Grundrisse toll und den Blick atemberaubend. Anschließend die Begehung im halbbewohnten Zustand und die Homogenität der Bewohner (vermutlich sämtlichst Akademikerfamilien mit 1-3 jüngeren Kindern) wirkte vollkommen abtörnend.
Augenblickliche Stimmungslage nach noch längerer Wohnungssuche: Wenn es eben neustadtnah nur dort 5 schöne Zimmer mit reichlich Grün (Alaunpark, Heide ohne Straßenüberquerung) geben sollte, dann packe ich meine Sachen für den zweiten Bauabschnitt und verpachte den Stellplatz an einen Zweit-Volvo. Freilich vorne im Riegel oben und nicht in den Reihenhäusern mit Handtuch-Garten.
Es gibt zwar keinen Pförtner
Dafür aber wohl abends einen Wachschutz (wie mir vor einigen Wochen erzählt wurde)…
Selbst angeschaut und für fürchterlich befunden. Junge Akademikerfamilien, die für 300.000 € mal in viel Beton investiert haben. Aber stolz scheinen Sie mächtig drauf zu sein. Hat wirklich was von dem Charme eines Streichelzoo. Sollte aber mal das Salz bei Tisch ausgehen, kann man sich das aber vom Nachbarn ohne Mühe reichen lassen.
Lena, schön, daß Du losgegangen bist und Dir Deine eigene Meinung gebildet hast. Fürchterlich empfand ich es nicht – ich empfinde jede eigenheimzulagensubventionierte Wohnöde à la Weißig als schlimmer, sowohl in ästhetischer, städtebaulicher und auch gesellschaftlicher Hinsicht. Aber ja, die (selbstgewollte?) Ghettoisierung in der Oberen Neustadt ist wahrnehmbar.
@Elbnymphe:
Endlich spricht es jemand aus.
Jetzt hat noch in der hinteren Reihenhauszeile ein Häuslebauer die Buchenhecke weggenommen und dafür Koniferen gepflanzt…. Schade, wohl nicht wirklich passend in diese Architektur :-(
volvo-ghetto … zooatmosphäre … gated community
flache dächer und eindeutig zuviel zaun. man schaue an den rhein (bisher nur dort gesehen), da sind die grundgrenzen wech und die übergänge fließend. was kosten eigentliche solche häuser im bau, weil flachdach? es sieht nach viel in der miete aus.
Übrigens sind die Preise ganz ordentlich: Für ne 120-qm-Wohnung nur schlappe 262.000 Euro. http://immo.openindex.de/expose/504517
Mir gefällt das Konzept der Obere Neustadt sehr gut. Allerdings habe ich mich auch mit dem Energiekonzept usw. beschäftigt und urteile nicht nur nach der Bebauungsdichte. Momentan fällt mir keine bessere Lage ein um in bzw. am Rand der Neustadt wohnen zu dürfen. Die Heide im Rücken, vorn der Alaunpark, fußläufig das lebendige Viertel, fahrradfreundlich und kurze Wege zu Bus und Bahn. Leider entprechen die Wohnungen nicht meiner Preisklasse – obwohl sie verglichen mit anderen Angeboten günstig sind, trotzdem meckere ich nicht aus Neid wie andere nur rum. Ich kenne Leute die dort wohnen und auch in dem vergangenen Winter kaum Heizkosten hatten. Dazu gibt es einen Spielplatz für die Kinder und die Autos stehen auch nicht wie überall vor dem Haus. Der Bauhaus-Stil der Gebäude läßt viel Licht rein und wirkt sehr modern. Meine Freunde wohnen innen in einem Reihenhaus, welches mir etwas zu eng umbaut ist. Allerdings gemessen an dem Preis einer ebenso großen Eigentumswohnungen liegen die Vorteile für so ein Haus ganz klar auf der Hand.
Mit offenem Visier kritisiert es sich ehrlicher. Oder warum versteckt sich die Autorin hinter einem Pseudonym? Wahrscheinlich damit niemand über die eigenen garantiert IKEA-freien vier Wände lästern kann. Oder wie wohnt die Elbnymphe so? Welche Enge nennt sie ihr eigen und welches energetische Konzept erwärmt ihr Herz im Winter?
Und ist einer der Neid-Kommentatoren schon auf die Idee gekommen, dass der Zaun und die stets auch für allzu neugierige Besucher nicht abgeschlossenen Türen eventuell auch nur die 1-3 Akademikerkinder davon abhalten sollen, nicht gleich auf die ordentlich befahrenen Strassen zu laufen. Diese Funktion übernehmen übrigens in der Rest-Neustadt Hinterhofmauern. Wie romantisch.
Den Bewohnern der Oberen Neustadt ist es wahrscheinlich extrem peinlich, Akademiker mit etwas Kleingeld für einen gewissen Wohnkomfort zu sein. Sie werden täglich über den Erwerb von Gartenzwergen und Ferrari-Fahnen nachdenken und sich dann doch für ein ordentlichs Glas Rotwein in den eigenen Niedrigenergie-Wänden entscheiden. Gekauft vom Geld, das die meisten der Kommentatoren wahrscheinlich lieber durch den Gasheizungsschornstein jagen.
Wusstest du, das der Dresdner Schriftsteller Erich Kästner beispielsweise unter dem Pseudonym „Berthold Bürger“ (und weiteren) u.a. für die Neue Leipziger Zeitung schrieb?
Volvo-Getto? Da hat wohl jemand 20 Jahre lang Winterschlaf gemacht und nicht mitbekommen, das Volvo schon lange nicht mehr als Stereotyp taugt. Hab aber auch keine Ahnung was die heutige Übersetzung sein könnte. Hat jemand ne Idee?
Schlimm. Früher stand noch das lustige Haus wo das Sputnik unten drin war, da hat auch noch der nette Albin mit seiner Familie gewohnt und wir hatten unseren Proberaum auch drin :)
So viel Beton und Uniformität für viel zu viel Geld. Für den Preis (262.000 EUR) bekommt man übrigens in Pieschen oder Trachau ein Mehrfamilienhaus im sanierten Altbau Stil!
Nicht jeder Mensch mag Altbauten ;-)
Immer noch ein “Schäppchen” gegenüber denen hier:
http://www.neustadt-ticker.de/nachrichten/townhauser-in-die-sauerkrautfabrik/
Also die Drei-Raum-Maisonette-Wohnung könnte mir schon gefallen… http://www.obere-neustadt.de/433_drei_raum_wohnungen.html
“Volvograd” !!!!!!
Genau, Piet! Ein so geniales Wortspiel hat mindestens sechs Ausrufezeichen verdient.
OBERE NEUSTADT – NEIN DANKE ! Es ist beeindruckend zu hören wie viele neue Eigentümer aus der Oberen Neustadt bis ins Jahr 2011 unter Mängeln in der Bauausführung zu leiden haben. Der Geschäftsührer der Wohnen Am Alaupark Projektgesellschaft Herr Manfred Kaiser beschwichtigt zwar mit seiner charmanten Wessi-Art die Leute, die Käufer haben es jedoch mittlerweile vorgezogen nur noch über Anwälte zu kommunizieren. Als Eigentümer einer Wohnung in der Oberen Neustadt kann ich nur alle davor warnen bei den zukünftig geplanten Häusern zuzuschlagen. Die Qualität der Häuser, welche konsequent durch ausländischen Bauleute gebaut wurden ist katastrophal. Nein Danke Herr Kaiser, Sie sind für schlechte Zahlungsmoral und Lügen bekannt. Es gibt übrigens zwei glückliche Familien die Ihren Kauf rückabwickeln konnten.
Die Qualität der Häuser, welche konsequent durch ausländischen Bauleute gebaut wurden ist katastrophal.
Eh macht bloß eure Kommentarfunktion zu, diese unkommentierte Nazischeisse hier in der letzten Zeit ist echt unerträglich.
Wer 20 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer den Begriff „Wessi“ bemühen muss, um einen Zeitgenossen zu charakterisieren oder zu kritisieren, erreicht meiner Meinung nach vor allem eines: sich selber als ewigen „Ossi“ zu qualifizieren.
Übrigens wurde ein Großteil des ach so berühmten, barocken Dresdens durch ausländische Bauleute errichtet (vgl. „Dörfchen, Italienisches“) – schon vergessen? ;)
@Badstübner: Und das berühmteste derartige Gebäude ist die Katholische Hofkirche. Es gab Zeiten, in denen Wanderung und Austausch von Bauleuten entscheidend zur Entwicklung der Baustile und des Bauhandwerks beigetragen haben.
nun, auch im Jahr 2012 sollte doch mal jemand nen Kommentar hier schreiben…lach
Die Qualität der Häuser, welche konsequent durch ausländischen Bauleute gebaut wurden ist katastrophal.(Badstübner)
Eh macht bloß eure Kommentarfunktion zu, diese unkommentierte Nazischeisse hier in der letzten Zeit ist echt unerträglich.(hourglass)
leider traf auch ich um die Wihnachtszeit und danach nur russisch sprechende Bauhelfer dort an…nun ja, wir konnten uns verständigen (habs ja in der Schule gelernt), aber hilfreich war es nicht
und was das Baumanagement und das ganze drum herum betrifft sage ich ganz neutral und nur als Faktenaneinanderreihung mal folgendes:
Ja, ich interessiere mich für ein Haus im 3. Bauabschnitt, aber weder die Sparkasse kann bisher klare Ansagen machen, weil diese nach Aussage des Bauträgers noch garnicht zum Kreis der Auserwählten gehört, noch bekommt man jemand mit Kompetenz ans Telefon, entweder man wird in einer nicht besonders kundenfreundlichen Art vertröstet, oder bei den Rufnummern der “die wissen es ” geht keiner ran…ich werd diese netten Begebenheiten der letzten Wochen mal für “Bild” aufbereiten und ganz nebenbei…ich glaube, so unrecht scheint der hier als hourglass als… verschrieene Badstübner wohl nicht zu sein…und bevor jemand auf die Idde kommt auch mich in die bekannte ecke zu stellen…Vorischt, ich bin schon von berufswegen dafür über jeden Verdacht erhaben…
im Übrigen werde ich mich melden, wenn ich im 3. Bauabschnitt mein Haus gekauft habe…und gewiss werde ich mit dem Herrn Geschäftsführer nicht über Anwälte verhandeln…das geht ganz lieb und ganz erfolgreich auch ganz anders…grins
@ andreas: Mich interessiert ja brennend, was das für ein Beruf sein soll, der einen generell von jeglichem Rassismusverdachts ausnimmt… Ich will Dir nicht zu nahe treten, aber dieses Argument klingt für mich nach dem altbekannten „Ich habe nichts gegen Schwule, einer meiner besten Freunde ist schwul, ich finde nur nicht, dass sie Kinder haben dürfen”-Schema.
Und warum man sich ausgerechnet BILD aussucht, wenn man Missstände aufklären will, ist mir schleierhaft.
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