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Dämpfer für die Fans von Verona Feldbusch – Supermanager darf Amt nicht antreten

von Troll am 31 Juli 2009 11 Kommentare

Der designierte Dresdner Supermanger (das ist jemand, der viele VIP Handynummern besitzt und mehr als ein Sachgebiet in 40 Stunden pro Woche leiten kann) Wolfram Köhler darf erst mal nicht Geschäftsführer der Dresdner Messe GmbH und des Sportstätten-und Bäderbetriebs werden, wie das Sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen entschied.

Das sorgt sicher für Krokodilstränen bei dem einen oder anderen geltungssüchtigen und Promigeilen Vertreter des Dresdner Stadtrats und garantiert für Schadenfreude und Genugtuung bei anderen

Zwar hatte der Stadtrat mit Mehrheit der Einstellung zugestimmt, leider hatte aber keiner dieser Damen und Herren offenbar vorher Einblick in den Arbeitsvertrag, der laut Medienberichten auch wirklich ziemlich ungewöhnliche Klauseln enthielt (wobei zu fragen wäre: Stimmen die Damen und Herren Volksvertreter immer über Verträge ab, ohne deren Inhalte zu kennen? Und woher kannten die Medien diese?) und dessen Wirksamwerden nach gerichtlicher Intervention der Linken beim Verwaltungsgericht Dresden zunächst vertagt werden musste.

Nicht nur von einem für Angestellte der Stadt exorbitanten Gehalt war in diesem Arbeitsvertrag wohl die Rede sondern auch von der festgehaltenen Möglichkeit, Aufträge an eigene Firmen zu vergeben. Eine Unkündbarkeit in den ersten Jahren setze dem nur noch die Krone auf, die Herrn Köhler dann auch wirklich mit Recht hätte tragen dürfen.

Ebenfalls nur aus den Medien erfuhr man, was denn überhaupt die Gründe für die Besetzung eines Supermanagers sein könnten und von einem seltsamen Anspruch auf einen Platz in der Champions League der Städte war da die Rede. Unter anderem durch gigantische Sport- und Kulturveranstaltungen solle das geschehen. Der Kulturbeirat der Stadt wurde dazu übrigens nicht einmal befragt!

Ich persönlich frage mich schon, ob es wirklich gut sein kann, wenn jemand 100.000 Euro mehr Jahresgehalt erhält als seine Chefin (das geplante Gehalt Köhlers soll bei über 200.000 Euro gelegen haben, die Bürgermeisterin erhält etwa die Hälfte) und in seinem Vertrag nahezu alle Freiheiten erhält, ihr auch noch auf der Nase rumzutanzen.
Man rüge mal jemanden, dessen Aufgaben nicht in Zahlen vorgegeben sind sondern vage umschrieben, der ein sicherlich enormes Budget nach eigenem Gutdünken verwalten darf und dabei auch noch aus diesem Budget Aufträge an eigene Firmen vergeben kann und sowieso unkündbar ist. Das ist jetzt überzogen, aber – verdammt noch mal – dementiert hat das auch neimand!

Ich weiß jetzt immerhin, was ich gerne werden möchte, wenn ich groß bin. Bürgermeister jedenfalls nicht.

Die Moral von der Geschichte: Wer in der ersten Liga der Städte mitmischen möchte (wie auch immer diese Tabelle zu Stande kommen mag), der möge auch professionell arbeiten; Und zwar auch und vor allem bei der Verpflichtung neuer Profis. Vergleiche dazu ziehe der geneigte Leser beim Studieren diverser Anekdoten aus der Geschichte der Fußballbundesliga.

Es ist ja absolut richtig und unstrittig, dass es frischen Wind braucht in der Stadt! Und – ganz ehrlich – ich kann mir wirklich sehr gut vorstellen, dass Wolfram Köhler einige notwendige Akzente hätte setzen könnte. Aber wer sich derartige Vertragsbedingungen erbittet, der ist für ein öffentliches Amt kaum tragbar. Umso tragischer, dass der Stadtrat das mehrheitlich anders gesehen hat, denn zumindest die kritischen Eckpunkte des Vertrags sollte den Mitgliedern ja durch die Sächsische Zeitung bekannt gewesen sein (oder lesen die nicht einmal Zeitung?).

Wie geht´s nun weiter? Laut Bettina Bunge, neue Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH, ist unsere Bürgermeisterin besonders erpicht darauf, mehr junge Menschen nach Dresden zu locken. Und das kann man mit zwei Großkonzerten und einer Megasportveranstaltung sicherlich auch schaffen. Aber eben nur für 4 Tage im Jahr. Ich behaupte: Kein Mensch ist nach Riesa gezogen (wo Köhler bekanntlich seinen “Ruhm” seinerzeit als Bürgermeister verdiente), nur weil er dort vorher eine Junioren Schwimm-Em gesehen hat (ok, vier, fünf Schwimmer/innen vielleicht). Überhaupt wüsste ich ja zu gerne, welcher der Stadträte, die der Einstellung zugestimmt haben, in den letzten 4 Jahren mehr von Riesa gesehen haben als den Bahnhof bei der Durchfahrt nach Leipzig, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Ja: Dresden muss was tun, um nicht als barockes Kaffefahrtenziel zu verkommen. Man muss dabei zum Beispiel unbedingt die Innenstadt für junge Besucher (und Einwohner) attraktiver machen und man kann und muss viel, viel mehr tun für die Kreativwirtschaft, denn auf die Ansiedlung eines größeren Industriezweigs brauchen wir wohl in Dresden kaum zu hoffen. Aber da fängt man doch bitte erst einmal damit an, das vorhandene riesige Potential zu unterstützen und nicht damit, Kati Witt und George Michael ein Duett singen zu lassen.

Was man mit 200.000 Euro noch so machen kann:

Zum Beispiel ein mehrwöchiges, europaweit wahrgenommenes Festival für zeitgenössische Kunst und Popkukltur anschieben, ausgerichtet von einem Gemeinschaftsprojekt von Organisationen wie zum Beispiel Ostrale, Scheune, Geh8, Beatpol und Kultur Aktiv sowie Portalen wie meinetwegen banq.de, dampfer.net und doubled-town, verbunden mit dem Aufbau eines Internetportals für das junge Dresden: mehrsprachig, kritisch, lebendig.
Ich wette, dass ein solches Portal, gut finanziert und in den richtigen Händen (keine Agentur sondern ein Zusammenschluss der Szene selbst), binnen kürzester Zeit die Besucherzahlen der offiziellen Websites Dresden übertreffen würde.

Ein Projekt, was dem Image Dresdens garantiert gut tun würde, aber natürlich eindeutig weniger Raum böte für Galaempfänge mit B- und C-Promis als ein Basketball-Spiel der Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki gegen die Dresden Titans in der Freiberger Arena oder Verona Feldbusch beim Schlamm-Wrestling gegen Achim Menzel als Rahmenprogramm der Judo WM. Oder was auch immer sonst man sich so unter den Events einer Stadt in der 1. Liga vorzustellen hat.

Auch könnte man mit 200.000 per anno durchaus einen Profifußballer bezahlen, der entscheidende Anteile an einem Aufstieg von Dynamo tragen könnte, was immerhin dafür sorgte, dass wir wenigstens in einem Bereich der ersten Liga näher kämen. Und das schon nach einem Jahr! Und auch ein Geisterstadion in Dresden wäre so zu verhindern.

Aber vielleicht will die Stadt das ja so gar nicht? Denn wenn die normalen Vereine pleite gehen, kommen – wie uns Leipzig just lehrte – ja plötzlich illustre rote Bullen in die Stadt und mit ihnen im Schlepptau jede Menge Handynummern, bei denen sogar Wolfram Köhler trotz aller Sonne Floridas erblassen würde.

Nun denn, was soll´s? Ich bin ja froh, dass diese Stadt sich wenigstens immer was einfallen lässt, um seine Bürger gut zu unterhalten. Ich find´s auch ohne Verona F., Kati W., Dieter B. und George M. ganz geil hier. Und Michael Jackson, den holt uns kein Geld der Welt mehr hierher. Und wirklich spannende Sachen wie – von mir aus – Radiohead live auf der Waldschlößchenbrücke oder Manu Chao unplugged im Alaunpark, die hätte auch Herr Köhler nicht hingekriegt bzw hinkriegen wollen. Außerdem hätten da 90% im Stadtrat wissen wollen, wer das nun überhaupt wieder sei und wären schmollend dem Galaempfang fern geblieben!

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11 Kommentare »

  • Medienfuzzi sagte:

    Ich stimme dir voll und ganz zu!

    Es gibt viele Möglichkeiten die Stadt Dresden in eine andere Liga zu befördern. Vielleicht sollte man bei den kleinen Dingen anfangen und wirklich einfach mal Qualität bieten, wenn es um Volksfeste geht. Ich erinnere nur an die Obama-Party auf dem Altmarkt, die nun wirklich peinlich und negativ wirkte. Mit solchen Aktionen gewinnt man keinen Blumentopf.

    Wie kann man also mehr (junge) Menschen nach Dresden locken? Die einfachste Antwort ist: Mit dem was man hat! Es braucht keinen Köhler, der uns zeigen soll, was man in Dresden alles machen könnte. Vielmehr sollte man die hier ansässige Szene zu Veranstaltern machen.

  • Ben sagte:

    feiner Kommentar.

  • Anton Launer sagte:

    Nun will er auch nicht mehr der Köhler.

  • stefanolix sagte:

    Es ist besser so. Ich hoffe, dass sie keinen weiteren Versuch unternehmen und jetzt endlich mal ihre Hausaufgaben machen.

  • randOM sagte:

    Was willst Du eigentlich? Größenwahn ist nun mal teuer. :-)

    Eine Idee, die mir schon seit Jahren im Kopf rumschwebt – mit der man mit ganz einfachen Mitteln junge Leute nach Dresden bekäme, die hat irgendwie noch niemand gehabt. Wer schon mal in Prag und in Berlin war, wird wissen, wie viele Amis, Japaner, Franzosen, Engländer etc. da unterwegs sind. Und welche Stadt liegt genau auf dem Weg von Berlin nach Prag bzw. umgekehrt? Genau.
    Wenn man nur einen Bruchteil der jungen Leute dazu bekäme, einen Zwischenstopp in Dresden zu machen, dann wäre schon viel erreicht. Dazu braucht es nichtmal allzu viele Großereignisse – in Dresden passiert recht viel für die Zielgruppe. Ein englischsprachiges Portal + gezielte Werbung in Prag und Berlin sollten da schon Einiges bringen. Aber das lohnt sich ja alles nicht. Weil diese Touristen halt keine Semperopa-Karten kaufen und im Ballervü übernachten…

  • troll sagte:

    Hi randOM, mit diesem Gedanken arbeitet die Dresdner FDP (man höre und staune) seit einiger Zeit..offenbar erfolglos

    Ich habe ja noch eine Idee und zwar eine

    (unan)ständige Vertretung der Bunten Republik Neustadt in Berlin!

    Die Stadt Dresden mietet ein Ladenlokal mit Schlafzimmer, Klo und Miniküche in Berlin Mitte/Prenzlau/Fhain, in der Künstler aus Dresden ihre Werke ausstellen. Gleichzeitig dürfen sie dort wohnen. Sie behalten 100% vom Verkauf ihrer Werke müssen aber dafür zu den Öffnungszeiten da sein.

    In diesen Zeiten kann der geneigte Besucher auch Hostel-Zimmer in Dresden buchen, Werbeflyer mitnehmen, Filme über die Neustadt sehen etc. etc.

    Praktikanten der Dresden Marketing GmbH müssen dort dann ebenfalls einen Monat ihrer Zeit arbeiten

  • AntonLauner sagte:

    Vielleicht sollten wir mit gutem Beispiel für die Stadt vorangehen und ein paar mehr Infos auf englisch verbreiten.

  • troll sagte:

    Dann fang mal an, es geht nämlich auch ohne Köhler richtig ab:

    REIM – Singt er beim Schalke-Spiel?

    Dynamo gegen Schalke 04! Der Kartenvorverkauf für das Stadion-Eröffnungsspiel am 15. September (19.30 Uhr) boomt. In nur zwei Tagen wurden schon 22 000 Karten verkauft. Dynamos Marketing-Chef Markus Hendel (28): „Die Euphorie ist riesengroß. Wir rechnen mit einer vollen Hütte.” Gegen den Bundesligisten steht erstmals die Gesamtkapazität von 32296 Plätzen zur Verfügung. Wie BILD erfuhr, wird es neben dem sportlichen auch ein musikalisches Highlight geben. Schlager-Star Matthias Reim („Verdammt, ich lieb dich”, Foto) soll auf der großen Stadion-Party singen.

    (Quelle: E-Mail von Kollegen)

  • AntonLauner sagte:

    Oha, Schalke ist ja derzeit wegen seiner Hymne in den Sommerloch-Karikaturen-Schlagzeilen. Singt Reim diese dann? Und vor allem, wenn ja, mit dritter Strophe?

    Bzgl. des englischen hab ich da schon ne Idee. Aber zurzeit ist die Zeit irgendwie extrem knapp.

  • konzeptspeicher » statt Marketing Ideen für Dresden Teil 2: Immer FESTE drauf sagte:

    [...] wärme ich dann die Suppe mit dem web2.0 Projekt nochmal auf, welches ich bereits auf dieneustadt.de im usammenhang mit den Diskussionen um den Beinahe Supermanager Wolfram Köhler schon mal [...]

  • Florian sagte:

    Jemand wie Du gehört an die Spitze des Dresdner Stadtmarketings! Du sprudelst ja förmlich vor Ideen :)
    Und dann Stadtmarketing auf allen Kanälen machen (Website, Blog, Facebook, Twitter, etc. pp) ;)

    Ich will ja unbedingt wieder nach Dresden, weil ich diese Stadt einfach liebe! Wenn ich durch die Straßen der Neustadt laufe, fühle ich mich zuhause!
    Allein was fehlt, ist ein Job, von dem ich leben kann … Bin ja ständig am Schauen, was es so gibt (Sicherheitsbranche).

    Im Marketing für Dresden mitarbeiten zu können wäre ein Traum :)

    Warum nicht ein Portal für Dresden selbst in die Hand nehmen? Oder nach den ganzen Negativnachrichten der letzten Jahre ein Portal “Gutes aus Dresden”, oder so? ;)

    An Leuten und Engagement würde es sicherlich nicht mangeln, oder?

    Viele Grüße,

    Florian, Ulm
    Twitter: fv_web

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