Lust auf mehr Garten – Bürgerstiftung will Freifläche erhalten
Kultur Aktiv und Projektschmiede, zwei Neustädter Institutionen für Soziokultur und Stadtentwicklung, luden gestern zur Infoveranstaltung für ihre Idee “Lustgarten-Stiftung”. Bisher war der Lustgarten bekannt als Veranstaltungsort und -Philosophie zur BRN, seit 2008 auf einer recht unbekannten und seit der Wende ungenutzten Freifläche zwischen Böhmischer und Bautzner angesiedelt, und genau um diesen Fleck Neustadt geht es auch bei der Stiftung. Hier liegt seit 20 Jahren brach, was einst ein Fuhrunternehmen war und heute ein in Erbengemeinschat verwaltetes Freigelände mit viel Fläche, wenig baulicher Substanz und viel Platz für Träume ist.
Konkrete Pläne für eine Nutzung der Freifläche gebe es noch nicht, so der eigens eingesetzte Projektleiter, man wolle in dieser frühen Phase der Stiftungsgründung die Anwohner einbeziehen, um Ideen zu entwickeln, was auf dieser Freifläche geschehen könne und wie. Die Initatoren verwiesen aber darauf, dass in ihren Augen der Fest-Gedanke des eigentlichen Lustgartens eher weniger angemessen sei für eine dauerhafte Nutzung. Man selbst denke an Ausstellungen, Klanginstallationen, Abenteuerspielplatz und Grillplatz, suche aber eben derzeit Mitstreiter und weitere Ansätze, um die Freifläche zu nutzen, wenn man denn dies überhaupt irgendwann dürfe.
Und genau da wird es kompliziert, denn die Vorrausetzungen sind denkbar schlecht. Ein Vertreter der Erbengemeinschaft war nicht anwesend, laut Recherche von Liane Hoder, Mitglied beim Kulturaktiv eV, versuchen die Eigentümer bereits seit mehreren Jahren, die Fläche an Investoren zu verkaufen. Das aber bisher ohne Erfolg und das wiederum mag positiv stimmen. Die Stadt selbst habe kein Kaufinteresse gezeigt, könne aber als eine Art Vermittler zwischen Stiftung und Eigentümer dienen. Natürlich gibt es Aussagen der Stadt, den Gedanken einer Freifläche zu unterstützen, aber nach den vielen Stadtentwicklerischen Katastrophen der letzten Zeit sollte man sich da mal nicht so sicher sein. Für eine entsprechende Lobbyarbeit wurde der Stiftungsbeirat prominent lokalpolitisch besetzt mit unter anderem Achim Wesjohann (Grüne), Julia Bonk (Linke), Sabine Friedel (SPD) und Patrick Schreiber von der CDU.
Es gab viele Fragen und leider recht wenige Antworten bei dieser ersten Veranstaltungen. Keiner wisse genau, wie es um Baurecht und Bodenbelastung bestellt ist und wie viel Geld man benötige, um nur den Erhalt zu zahlen. Das alles werde jetzt nach und nach angegangen, auf die tatkräftige Mitarbeit der Neustädter wird dabei gezählt.
Mich hat vor allem der Gedanke verwundert, eine Stiftung zu gründen, da diese Einrichtungsform ja eher der Vermögensverwaltung dient denn der Vermögensbeschaffung. Sprich, als ich Stiftung las, dachte ich an eine Stiftung der Eigentümer, die ihr Grundstück als Stiftungskapital einbringen wolle. Leider ist dem in keiner Weise so. Bisher habe man wohl eher gerade mal 300 Euro auf der BRN gesammelt und mindestens 300 Ideen. Eine davon, die gestern aufkam war, andere kreative Stadtteile und Mikronationen in Europa wie Hamburg St. Pauli, Berlin Prenzlauer Berg, die Freistadt Christiania in Kopenhagen usw. anzusprechen, sich an dem Projekt zu beteiligen. Die Stadtteile könnten Galerien errichten, in denen abwechselnd Künstler des jeweiligen Stadtteils ausstellen, arbeiten und leben könnten. Andere Ideen gingen eher in soziokulturelle Richtungen wie zum Beispiel Werkstätten für Jugendliche Straftäter oder Projekte im Bereich Drogenentzug.
So aberwitzig vieles scheinen mag, so richtig und wichtig ist es natürlich, dass man sich wirklich intensiv mit einer der letzten Freiflächen (von Liane übrigens per Google Earth entdeckt) auseinandersetzt, BEVOR es jemand anders tut. Immerhin grenzt das Grundstück bis an die Bautzner und auch der Gebrauchtwagenhandel vorne gehört offenbar noch zum Gelände. Viel Platz also auch für Parkhäuser, Wohnhäuser und andere Gewinnversprechende Objekte…
Und so macht es umso mehr Sinn, Politker aller Fraktionen und die Anwohner zu einem Projekt zusammen zu schließen, um “Lust zu stiften”.
Hoffen wir das Beste! Wer mitmachen will ist unbedingt aufgefordert das zu tun! Ich persönlich denke, es wäre jetzt gut eine Art Fachgruppe zu installieren aus Architekten und Handwerkern, mindestens einem Anwalt und Freiwilligen Ideenlieferanten. Von allen haben wir genug in der Neustadt, die sich auch sicher für ein solches Projekt gewinnen ließen.
PS: DIe Korrekturleserin schläft noch


Wurde das Thema „Stiftung“ oder ähnliche Rechtsform denn explizit besprochen?
Also warum bspw. Stiftung und nicht Verein o.ä.
Soweit ich mich entsinnen kann, hat das niemand hinterfragt. Wärste mal mitgekommen …
Als Anregung: Sehen sie sich bitte die Homepage http://www.internationale-gaerten.de an.
Grüße
shimeles
“Wie ist hier der Stand der Dinge?” “Ist der Lustgarten durch den Bau an der Bautzner betroffen oder nicht?” “Muss man bei Euch dieses Jahr einen Bauhelm tragen?” und “was geht denn sonst zur BRN 2010?”
Diese und weitere Fragen werden wir in Kürze mit Mirko Sennewald vom Kultur Aktiv bequatschen! Ich freu mich drauf. Danke!
[...] Spinnereien, Pläne und Visionen in Dresden und in der Neustadt, beispeilsweise die einer Bürgerstiftung für den Erhalt einer der wenigen restlichen Freiflächen…nur letztendlich kommt dann [...]
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