Qi-Nian, oder: Valentinstag ohne Kitsch und Kommerz

Wer noch ratlos ist, wie man den Valentinstag zweisam gestalten könnte, für den gibt es an dieser Stelle drei große Ideen für kleines Geld. Man kann im Alaunpark den Schneeflocken zusehen und sich eine Jackentasche teilen. Man kann sich mal wieder ins Café setzen und sich kakaotrunken-glühweinselig anlächeln. Oder man besuche die kleine, außergewöhnlich feine Ausstellung Qi-Nian – Sieben Jahre des Chinesen Rao Fu in der Galerie Elly Brose-Eiermann auf dem Bischofsweg.
Abbildung: Rao Fu, »Hexe«. Bitumen auf Papier, 2008.
In Rao Fus nüchtern-poetischen Motiven leuchtet der ganze Kosmos menschlicher Abbildungsfreude von der Steinzeit bis in die Gegenwart auf: urzeitliche Szenen, die direkt von Höhlenwänden abgenommen scheinen. Die Brandt-Zwieback-Tüte mit dem Kindergesicht, das im Gegensatz zu uns niemals altert. Gänzlich unhierarchisch schöpft Rao Fu aus dem Fundus der visuellen Materialschlacht, die uns jeden Tag in Galerien, auf Verpackungen und wo immer wir wachen Auges durch die Welt gehen, anbrandet. Doch anstatt vom Bilderstrom überflutet zu werden, bannt Rao Fu diesen mit seinem breiten, fast klecksartigen Pinselstrich zu monochromem Stillstand. Was nicht heißen soll, dass auf seinen Bildern nichts passierte – im Gegenteil: Da kämpft high gegen low culture, fernöstliche gegen westliche Welt, malerische Verfremdung gegen fotorealistische Genauigkeit. Dem gelassenen Lächeln des ebenfalls abgebildeten Dalai Lama gleich, verleiht der ungewöhnlich alterslose Blick des jungen Künstlers der Welt Schönheit – in Sepia und schimmernden Farben.
Rao Fu, 1978 in Peking geboren, ist Meisterschüler an der HfBK Dresden.
Die Ausstellung ist diesen Samstag von 12-18 Uhr geöffnet. Qi-Nian – Sieben Jahre läuft noch bis 28. März 2009.

Oder man geht zusammen denken.
Der Valentintstag ist NUR KOMMERZ, genau wie WEIHNACHTEN. Ich grüsse alle, die GEGEN Valentintstag sind.
Euer
http://www.crazylifeblog.de
Ja, das sollte man heute tun! Oder mit den Kids reiß aus nehmen und mit dem Großvater gemeinsam dem Tag gedenken, den dieser als Säugling in einem Luftschutzkeller nahe des Neustädter Bahnhofs überlebt hat. Und verfluchen die, deren geistige Väter schuldig sind und die sich heute die Opfermaske aufsetzen, um Hass und Gewalt zu säen.
Mit blieb das Lachen im Halse stecken, als mir gestern vor dem Einschlafen das Bild demonstrierender Nazis vor dem geistigen Auge erschien, die ein Spruchband hochhielten mit dem Slogan “heß, we can”
sorry, aber den musste ich noch loswerden
Zu Euren Kommentaren möchte ich drei Reaktionen loswerden.
1. Gedenken ist wichtig. Daß Ihr dazu aufruft, ist löblich. Aber sind die Kommentare unterhalb einer Rezension mit dem Aufhänger Valentinstag nicht der falsche Ort? Hat das Thema Gedenken nicht einen eigenen Artikel verdient, der gezielt und begründet dazu aufruft und die verschiedenen Initiativen am heutigen Tage vorstellt? Ich sage dies nicht aus Eitelkeit, sondern weil ich das Gefühl habe, daß Eure Anregung im Kontext meines Artikels etwas verpufft.
2. Meine persönliche Überzeugung (die längst nicht jeder teilen muß) ist, daß man das übersteigerte Selbstwertgefühl von Altnazis und Jungfaschisten nicht unbedingt dadurch validieren muß, daß man ihnen in der Konfrontation noch mehr Aufmerksamkeit schenkt. Das hat nichts mit schöngeistigem Biedermeiertum zu tun, sondern mit der Frage, ob wir den Nazis nicht erst zu einer Plattform verhelfen, wenn wir unser eigenes Leben jedes Mal anhalten, nur weil sie mit den Säbeln rasseln.
Und so komme ich zu 3. Der Valentinstag ist, fernab der bisweilen penetranten Oktroyierung durch Floristen und Grußkartenhersteller, seit Jahrhunderten Bestandteil christlicher Traditionen. Davor war er – als fest der Luperkalien – jahrhundertelang der Göttin Juno geweiht, die die Liebenden schützte. Das sind tausendjährige Traditionen, von denen die Nazis nur träumen können. Was ihrer menschenverachtenden Ideologie fehlt, ist (für mich) im Kern die Liebe: zu den Mitmenschen, zu den Frauen als gleichberechtigten Partnerinnen jenseits der Gebärerin, zu den Männern jenseits eines Bloß-Soldat-Seins, zu Mitmenschen, zu Fremden und Andersartigen. Und sich einen Tag lang auch dessen zu erinnern, was uns zu Menschen macht, was uns stark macht, nämlich die Fähigkeit, zu lieben, ist meiner Meinung nach vor diesem Hintergrund so verkehrt nicht.
Ich bin gerade vom Kinderfasching verdrängt worden – mein schlechtes Gewissen, am 14. Februar zum Galeriebesuch zu animieren, ist damit noch kleiner geworden.
“Aber sind die Kommentare unterhalb einer Rezension mit dem Aufhänger Valentinstag nicht der falsche Ort?”
Damit hast Du absolut recht! Und ein schlechtes Gewissen musst du bestimmt nicht haben für Deinen Hinweis.
Ich bin jedenfalls neugierig auf die Ausstellung geworden und habe persönlich mit meinen “Männern” heute auch abschalten können, als die Bundesliga lief.
Dennoch bleibt es ein Tag der traurigen Schatten und auch wenn “bloody valentine” eigentlich aus dem Mafiamilieu kommt passt dies vielleicht als abschließender und überleitender Track, wenngleich Lost in Translation in Japan spielt und nicht in China
http://www.youtube.com/watch?v=B0nPSy1-UXE
My bloody Valentine – sometimes
@Elbnymphe
Leider sind die Artikel und Vorstellungen zu Initiativen ausgeblieben. Gerade dieses könnte von einem Blog, welcher sich die Neustadt zum Inhalt genommen hat, erwartet werden – oder sollte die Degeneration hier schon so weit fortgeschritten sein?
Aus ersteren Gründen wohl die Kommentare an dieser Stelle.
Anmerkung: Die zu tausenden Anwesenden gestern im Sternmarsch haben übrigens, inklusive meiner Wenigkeit, nicht die Konfrontation gesucht, sondern Courage gezeigt und sich gegen Rechts eindeutig geäußert. Denn die Vergangenheit lehrt uns, das einfach nur Stillhalten sehr böse Folgen haben kann.
Der Valentinstag 2009 bzw. der 14. Februar 2009 sind Geschichte und ich finde, das finde ich erst mal gut so.
Meine Nachgedanken am Morgen des 16.02.:
Den Artikel von der Elbnymphe sehe ich als ganz normalen Kulturtipp und die Möglichkeit, einen nicht ganz normalen Tag in Dresden ganz normal im Sinne von neustadtypisch zu begehen; mit dem, was die Neustadt uns bietet und was Menschen, die hier leben auch zu schätzen wissen, aber nicht immer selbst entdecken.
Nicht nur der Artikelschreiber, sondern auch die Kommentatoren haben eine Verantwortung für ihr Tun. Insbesondere die, die ganz oben stehen. Ich stelle mir das vor, wie einen guten Dialog zwischen Gesprächspartnern von Auge zu Auge, bzw. Mund zu Mund: Bevor man seinen eigenen oder irgendeinen “Senf” dazugibt, geht man auf das Thema des Gesprächsbeginnenden ein. Ansonsten ist es kein Dialog, bzw. keine Reaktion, sondern eine neue eigene Aktion!
Was hier passiert ist, ist eine Art Propaganda … Zweckmissbrauch zumindest.
Was hat ein Video mit Scarlett Johansson in Japan [zugegeben: schön anzusehen] mit Dresdener Kultur und Ge(h)denken zu tun? Außer dass die Gruppe “zufällig” so heißt, wie sie heißt. Das sieht mir einfach nur nach gegoogelt aus … und ja klar: Irgendwie hängt alles zusammen.
Denken gehen:
Da es nunmal so ist, das der Kulturtipp instrumentalisiert wurde und hinter den Kommentaren leider verblasst wie so manches sehenswerte Bild in den Galerien hier noch meine Meinung dazu:
Denken kann ich am Besten alleine und zwar überall, wo ich Ruhe finde: In meinem Bett, bei einem Spaziergang in der Heide, in einer (fast) menschenleeren Galerie…
Das Gedachte kann ich 365 Tage in meinen Alltag integrieren und mich genauso viele Tage im Jahr draußen für Toleranz mit einem “l” einsetzen. In diesem Sinne!
@Gokyo:
Als erstes empfehle ich dir mal einen entspannten Umgangston – bei Beleidigungen des Teams sitzt mein Finger schnell auf der Löschtaste!
Zum anderen ist mir nicht ganz klar, wo der direkte Zusammenhang zwischen
den Aktionen des 13./14. Februar und diesem Stadtteil besteht, aber das kannst du sicher mal genauer erklären.
Ich verstehe die ganze Aufregung gar nicht. Wenn Elbnymphe schreibt “Wer noch ratlos ist, wie man den Valentinstag zweisam gestalten könnte, für den gibt es an dieser Stelle drei große Ideen”, ist es doch völlig legitim, dass mit “oder man geht zusammen denken” eine weitere Idee beigesteuert wird. Somit ist es sehr wohl eine Reaktion – auf die dann wiederum reagiert wurde.
Und: Wer hier gern nähere Informationen über (politische) Initiativen/Aktionen zum 14.02.2009 in Dresden gefunden hätte, hätte diese, sofern ich das nun offene Konzept von dieneustadt richtig verstanden habe, auch selber beisteuern können.
Das „nun offene Konzept“ dieses Blogs ist nicht neu; die Möglichkeit hier mitzuarbeiten und zu -schreiben praktizieren wir seit Anbeginn, siehe http://dieneustadt.de/about/
Nachtrag zu Gokyo:
Ich weiss nicht wieviele Dresdner Websites es zu diesem Thema gibt, die in den letzten Monaten recherchiert, Informationen veröffentlicht und Termine aktualisiert haben…
Sicher hätte ich mich in einer freien Minute des Themas annehmen können und eine Linkliste zu diesem Thema zusammenstellen können, aber ich glaube, das sich unsere LeserInnen zu helfen wissen und eine Suchmaschine bedienen können…
Zudem scheint mir überschätzt du uns ein wenig – auch wenn hier gerade wieder einiges passiert in Form von interessanten Texten und Informationen – kommt es auch hin und wieder vor, das diejenigen die hier mitschreiben (wenn du fleissig mitlesen würdest dann könntest du erkennen, wieviele das bis vorletzte Woche waren) auch ein Privatleben haben und dies hier Freizeit ist!
Erwarten sollte man von einem Blog erst mal gar nichts. Man sollte höchstens gespannt sein, was hier Tag für Tag in (bevorzugt) Eigeninitiative entsteht.
Sonst bleibt immer noch der (b)log out…
Der Ausdruck “Degeneration” gilt wohl denen, die dies nicht lesen und/oder hier schreiben und kommentieren, gehört also woanders hin Ich empfinde ihn in dieser Undifferenziertheit generell als verfehlt, wenn auch nicht als persönliche Beleidigung.
Außer dass der Sternmarsch z.T. in der Neustadt begonnen hatte, sehe ich auch keinen direkten Zusammenhang zur Neustadt und dem 13./14. Februar. Wir leben hier, zumindest was die Äußere Neustadt und die Leipziger Vorstadt, aber auch größere Teile der Inneren Neustadt betrifft, in einem Viertel, dessen schleichende und später totale Zerstörung erst nach Kriegsende drohte…
Was manche – sicher wenige – Neustädter und Neustadtbesucher in diesem Stadtteil daraus machen, ist eine andere Geschichte und meiner Ansicht nach in seinen Extremformen jedweder Couleur als bedenklich und ganz einfach lebnens- und damit auch neustadtfeindlich einzustufen. Freie Meinungsäußerung hört da auf, wo der eigentliche Zweck der Äußerung darin besteht, andere gezielt anzugehen, anzugreifen, zu provozieren.
“Was hat ein Video mit Scarlett Johansson in Japan [zugegeben: schön anzusehen] mit Dresdener Kultur und Ge(h)denken zu tun? Außer dass die Gruppe “zufällig” so heißt, wie sie heißt. Das sieht mir einfach nur nach gegoogelt aus”
Sorry, die Vermutung stimmt nicht. Ich bestize fast alle Werke der Band :-) Und da ich mich im selben Kommentar dafür entschuldigt habe, dass auch ich einen Kulturhinweis mit anderen Inhalten kommentiert habe, sollte dies nur ein Art back2topic-überleitung werden (Valentine/Kultur/Asien). Ist missglückt, auch da gebe ich recht.
Die Disukussionen und Reaktionen verstehe ich aber gerade überhaupt nicht. Wo hat den Gokyo das Team beleidigt???? Und wo ist das Problem, sich zu anderen Dingen zu äußern die am selben Tag stattfinden wie ein erwähntes Kulturprojekt?
Wenn ich demnächst auf ein Konzert hinweise, dann finde ich es absolut ok, wenn jemand im Kommentar schreibt, was am Tag noch so ist, es sei denn er hat ein eigenes Konto und könnte dies als eigenen Artikel schreiben.
Wo hat den Gokyo das Team beleidigt????
Gerade dieses könnte von einem Blog, welcher sich die Neustadt zum Inhalt genommen hat, erwartet werden – oder sollte die Degeneration hier schon so weit fortgeschritten sein?
troll, meinen persönlichen Dank für Deine Selbstkritik und Kritik!
Nach meinem Verständnis sollte sich jeder Kommentar vorrangig [es passt auch nachrangig :-D ] auf den oben stehenden Beitrag und nicht auf andere Kommentare beziehen. Das ist hier gründlich missglückt, woraus aber – zugegeben – ein sehr spannender Austausch entstanden ist.
Zu Deinem letzten Abschnitt: Siehe Kommentar #11, erster Absatz.
Die Aussage von Gokyo bezieht sich, wie ich sie verstehe, auf die Menschen in der Neustadt, nicht auf das Team des Blogs.
Vielleicht kann der Kommentator sich selbst nochmal dazu äußern und seine Meinung präzisieren?!
Kann man sicher so auffassen, ich (und nicht nur ich) seh es anders…
troll, habe nochmal nachgedacht und finde Deinen Versuch zurück zur (immerhin teilasiatischen) (Un-)Kultur nun gar nicht mehr so verkehrt! Habe mich nun selbst dabei ertappt, dass meine Finger zu schnell vom Gehirn (fern)gesteuert wurden…
Erstaunlich, was ein paar Sätze auslösen, die ursprünglich nur als Kommentar auf einen Kommentar gedacht waren.
Um (hoffentlich) jegliche Mißverständnisse und Deutungen etwas aufzuhellen und meinerseits auf Kommentare zu antworten, folgendes:
Meine erstere Anmerkung bezog sich auf den letzten Satz des mit 1. nummerierten Kommentars von Elbnymphe.
Ich habe Ihr schlicht und ergreifend beigepflichtet, indem ich ebenfalls, wenn auch direkter, mein Unverständnis zu selbigem Thema äußerte.
Anzumerken sei, das es nebensächlich ist, was auf anderen Webseiten veröffentlicht wurde, bzw. was man hätte alles tun können.
Dem geneigten Leser die Bedienung einer Suchmaschine anheim zu stellen entspricht auch nicht gerade der feinen Art.
Meines Erachtens bezog sich der Kommentar inklusive meiner Anmerkung darauf, das dieses Thema einen Artikel hier wert gewesen wäre.
Nicht mehr, nicht weniger war gemeint.
Die “Anmerkung:” von mir sollte nur eine Antwort auf den mit 2. nummerierten Absatz von Elbnymphe sein.
Nicht mehr, nicht weniger war gemeint.
Definition von Degenerieren:
1. (im mediz. Sinne) allmählich verfallen, zurückbilden, verkümmern
2. sich allgemein zum Negativen entwickeln, einen geistigen oder moralischen Zustand nicht aufrechterhalten.
Das Wörtchen Degeneration bezog sich unter Ausschluß des medizinschen Aspekts auf die Neustadt im allgemeinen. Das eine solche stattfindet, wenn auch glücklicherweise langsam, läßt sich wohl kaum leugnen.
Dies hat nichts mit Beleidigung zu tun, sondern äußert sich in oder durch einen Zustand, der durch dieses Wort definiert wird.
Nicht mehr und nicht weniger war gemeint.
Übrigens finde ich es meinerseits absolut nicht korrekt, aber überraschend, das allem Anschein nach nur die, wie ich annehme, Administratoren, dies doppeldeutig sehen, als Beleidigung auffassen und mit der Löschtaste drohen.
In der Hoffnung, das mein Beitrag zur Präzisierung beigetragen hat und so angenommen wird, wie er gemeint ist:
definitiv nicht beleidigend, jedoch mit kritischen Anmerkungen!
Übrigens finde ich es meinerseits absolut nicht korrekt, aber überraschend, das allem Anschein nach nur die, wie ich annehme, Administratoren, dies doppeldeutig sehen, als Beleidigung auffassen und mit der Löschtaste drohen.
Es gibt hier nur einen Administrator, und das bin ich.
Und wenn du das „nicht korrekt“ oder „überraschend“ findest, das jemandem dein Ton nicht gefällt, dann denk mal über diesen nach und äussere dich zukünftig vielleicht etwas präziser.
Danke.
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