Tobi, Jens und Manu sind nicht Sascha Schaschlik und Vierfinger-Horst – Ein Besuch in Rosis Animierbar
Ich habe ja – das ehrlichweise gleich vorweg – eine recht emotionale Bindung zu Kneipen, die nach Frauen mit dem Vornamen Rosi benannt wurden. Im unsäglichen Brake, Kreisstadt meinem Heimatkreises Wesermarsch und wirklich noch verkommener als mein Heimatstädtchen Nordenham, gab es Rosi´s Kneipe, in der ich mehrfach und sehr gerne mit meinen Dorfpunkbands „Zappenduster“ und „Die gezeugten Jehovas“ aufgetreten bin. Der Inhaber war keine Rosi sondern ein Volker, seines Zeichens ein herzensguter Rocksäufer, bei dem die Pommes mächtig fettig, das Bier eiskalt und die Mucke meistens wahnwitzig laut war und – so schien es jedenfalls – die Zapfanlage häufiger gereinigt wurde als die Toiletten. Wer Rosi war weiß wahrscheinlich nur Volker allein. Oder gibt es einen Song von Motörhead namens Rosi, der mir nicht bekannt ist?
In Hamburg wiederum wohnt mein Kumpel Sanchez, bei dem ich während einer Seminarausbildung zwei Jahre lang jedes vierte Wochenende auf dem Küchensofa gepennt habe, direkt um die Ecke von Rosi´s Bar auf dem Hamburger Berg, wo ich, wenn kein Heimspiel war, die Spiele meines Lieblingsvereins auf einem alten Grundig Röhren-TV-Gerät verfolgte. Auch hier wie in Brake der obligatorisch falsch gesetzte Apostroph, auch hier Holzvertäfelung und auch hier echte Rockgeschichte; Wenngleich vielleicht zwei, drei Stufen über den gezeugten Jehovas. Immerhin war Rosi die Braut von Tony Sheridan, der einst die Beatles als seine Begleitband nach Hamburg holte. Fürwahr eine Spelunke aus dem Bilderbuch. „Versifft“ würde mein Onkel Ekkehard eventuell in den Mund nehmen, „saugemütlich“ könnte mein Kumpel Malle geäußert haben. Da atmet jede Panele den Schweiß von 40 Jahren Kiezmaloche, da leuchten die Zahnlücken der Tresengäste heller als das Licht, welche die vorhandene Diskokugel anstrahlt.
Jetzt, gut 8 Jahre nach jenen für mich unvergessenen Stunden in Rosi´s Bar, gibt es also auch in meiner endgültigen Wahlheimat Dresden eine Rosi. „Rosis Animierbar“ um genau zu sein. Angesiedelt im ehemaligen Flower-Power und somit Lagetechnisch sehr passend am düsteren Bahndamm im noch nicht sterilisierten Teil der Neustadt. Das lässt hoffen, dass sich das gut anlassen könnte. Dagegen spricht: Die Betreiber sind angeblich Leute aus eher schickem Ambiente wie dem Metronom. Das macht mich stutzig. Suchen diese den alten Stallgeruch vergangener Tage oder ist es doch nur der Versuch, eine neue Form der Erlebnisgastronomie in Dresden zu etablieren?
Es scheint: Leider letzteres.
Rosis Animierbar entpuppt sich bei meinem Besuch als fade Retrorosi, in der all die Mühen, die in dekorative Details gesteckt wurden, einfach nicht wettmachen können (und wollen), dass man eine Spelunke eben nicht künstlich erzeugen kann. In einer Rosi muss der Inhaber an der Bar stehen und Lederweste tragen. In einer Rosi müssen perverse Schmierereinen an Klotüren stehen, am Besten mit falschem Apostroph. In einer Rosi muss es muffig riechen und müssen die Gäste was auf dem Kerbholz haben. Nicht dürfen dagegen in Rosis vier Barmänner 20 anwesenden Studenten Astra ausschenken, die gar nicht wissen, dass dieser „Szenekult“ mal ein reines Maurerpils war. Nicht darf man auch draußen am Einlass von einer Art Sicherheitsband empfangen werden, die einen trotz gähnender Leere im Flur auf Umwege leitet. Und nicht braucht es auch Türsteher – weder draußen noch drinnen.
Und eigentlich auch keinen DJ, wobei dem an diesem Montag anwesenden meiner Meinung nach wenigstens anzumerken war, dass er seine Rockabilly-Scheiben lieber auch in einer echten Spelunke vor echten Spelunkis gespielt hätte. Ebenfalls nicht braucht es eine hochgeflashte Website voller Klischeebilder. Kurzum: Rosis Animierbar hat weder Apostroph noch sonst jeglichen Charme einer echten Animierbar und verkommt so leider zum totalen Karnevalambiente. Was scheinbar nicht so richtig funktioniert. War der Montag früher schon ein ganz furchtbares aber dafür auch furchtbar volles Studigelage im Flowerpower, war es an diesem Montag nicht einmal ansatzweise gut besucht in der Animierbar, was mich nicht animierte, länger als auf ein Bier zu bleiben.
Ich bin gespannt, wie sich die geplante Programmgestaltung etablieren kann und wünsche den Betreibern trotzdem alles Gute dabei.
Ich musste auf dem Heimweg noch einmal vor dem ehemaligen Goldenen Pfeil stehen bleiben und einen sehnsüchtigen Blick in die Weiten der Vergangenheit schweifen lassen. So, wie ich es seinerzeit bei geilen Typen wie Kornbombe, Sascha Schaschlik und Vierfinger-Horst in Rosi`s Bar am Hamburger Berg bewundern durfte.
Eine Rosi muss eben auch nicht immer Rosi heißen sondern manchmal Goldner Pfeil! Gott aller Spelunken habe ihn selig.


Wenn Du länger als auf ein Bier geblieben wärst, hätten wir ja noch ne Runde kickern können.
Übrigens auch sehr beachtlich, dass nach Rosis Eigeneinschätzung die Montage jetzt schon legendär sind … Zumindest, wenn man der Speisekarte trauen darf.
Ich wollte auch zur Eröffnung, naja bin nicht reingekommen weil es zu voll war und eine Stunde wollte ich nicht warten. Aber Gott sei Dank ist das Ostpol gleich um die Ecke! Und da war auch super Stimmung!
http://www.rosis-dresden.de, impressum
und ….
http://www.maxshock.de/KUNDEN/PUROBEACH/impressum.htm
http://www.maxshock.de/KUNDEN/PUROBEACH/kontakt.htm
kein wunder, dass rosis “schick” geworden ist.
Die verrauchten Spelunken sterben aus. Klar kann man sie nicht wieder zurückholen. Das Flair jedoch hat noch immer seinen ganz eigenen Charme. Die inhabergeführten Kneipen von denen Troll da schrieb sind vom Aussterben bedroht. Irgendwann steht kein Wirt in speckiger Lederweste mehr an seiner Bar. Zumal das Rauchverbot die vernebelte Luft solcher Etablissements etwas durchsichtiger erscheinen lässt, aber auch viele alte Kiezkneipengäste in die eigenen 4 Wände verbannt. Denn Ute und Bernd, die wie er so schön schrieb, ihr Maurerbier ab 15 Uhr in der Eckkneipe genossen, die sind natürlich heute nicht mehr täglich auf dem Kiez anzutreffen. Warum? Weil es schick ist, in St.Pauli zu wohnen. Weil es alternativ ist, in den Eckkneipen abzuhängen. Und weil die Zeit und der Wind, die Sehnsucht halt immer das Schiff vorantreibt.
Interessant sind vielleicht auch die Parallelen, welche man auch schon im Neustädter Kiez findet: da okkupieren Jugendliche, Halbstarke und “Möchtegern-Alternative” mit Wohnsitz in Blasewitz oder Strießen Woche für Woche Lokalitäten wie Scheune und Hebedas. Letztere war einmal eine verrauchte Familieneinkehr. Wer von den heutigen Gästen hat dort früher schon einmal am Tresen gesessen? Hat die alten Wirte gekannt? Wir waren früher Stammkunden, haben noch bis Mitte der 90er dort an Wochenenden immer unseren ersten Kasten Flaschenbier aus dem Hausflur in den Gastraum getragen. Freilich war es kein Astra, aber wäre es in St.Pauli gewesen… Wo will ich hin? Diese Wehmut um alte Spilunken kann ich mit Troll nur teilen, jedoch hinkt die in warmen Licht strahlende Erinnerung der Realität meist hinterher. In Rosi’s Bar (falsch mit Apostroph) aufm Kiez, also Hamburger Berg, wird heute ähnlich wie im Hebedas gefeiert, das sich die Paneele von den Wänden löst. Die Einrichtung ist noch Original, dafür sind die Mädels an der Bar noch keine 25. Das Publikum bunt gemixt (Studenten, Hanseaten, Kiezvolk vom Anwalt bis zum Rocker)wird hier wie eh und je gefeiert. Nur die Zahnlücken, den Bernd und die Ute, die sucht man hier vergebens. Der Tourist, der Hamburger und das neue Kiezvolk haben 90% der Läden erobert.
Damit dürfte St.Pauli auch nich mehr als eines der bekanntesten Szeneviertel mehr sein. Natürlich mit einer schönen Vorgeschichte.
Im Prinzip jedoch geht es um ein Flair. Das was alle suchen, ist der Hafen und die Möglichkeit zur Kommunikation. Warum geht Ihr denn in eine Bar? Warum streift Ihr Nachts noch um die Häuser? Warum wohnt Ihr in der Neustadt? Warum kommt Ihr jeden Tag in dieses Viertel? Ich bin hier geboren, habe lange Zeit in St.Pauli gelebt und bin aber wieder in die Heimat zurück. So recht verstehe ich jedoch dieses engstirnige und teilweise spießige Dresdner Volk nicht mehr. Warum versucht hier jeder der ultracoole Szenetyp zu sein? Sowas wird man nicht durch Schwatzen, sondern nur durch Taten und Engagement. Dafür braucht man nicht in Blogs und Portalen sinnlos und süffisant seine geistige Diarrhoe zum besten zu geben. Leute steht auf und macht doch selbst mal was. Riskiert Eure Kohle und dann schaut mal, was am Ende hängen bleibt. Der Schiss in die hohle Hand kann manchmal ganz schön wärmend sein..
sind es deppen, idealisten oder idioten, welche da ihr geld in den anwohnersumpf der neustadt betoniert haben? dort wo der gemeine pöbel sich nächtens in die hauseingänge übergibt… eine idee bleibt eine idee, bis man sie in die tat umgesetzt hat. klingt doch klasse, wenn die jungs dann auch noch auflagen von amt und anwohnern bekommen, nachts eure hundescheisse, glascherben, flaschen und kotze vom fussweg entfernen und nicht ein mal mehr die hälfte der gäste des ehemaligen flower ins haus lassen dürfen. um so das viertel zu beruhigen… das nächtliche zentrum dresdens, die neustadt befriedet und beruhigt. klar das wollen wir alle. was haltet ihr von einem nächtlichen redeverbot, oder einer polizeistunde nach britischem vorbild. so gegen eins wäre doch ok. und draussen schön klappe halten, damit der anwohner hinter seiner blümchentapete und häkelgardine auch auf keinen fall gestört wird… als alter barmann mit über zehnjähriger erfahrung bleibt mir da nur eines festzustellen: alle wollen sich amüsieren. leider haben viele von uns/euch verlernt, wie man sowas stilvoll macht. ja, manch einer erwatet beim gedanken an st.pauli erregt sabbernd auch eine animierbar, wo a la klax die mädels nackt aufm tisch tanzen. tja, getäuscht und abgetrabt, ich finde den wirklichen namen: rosis amüsierlokal einfach treffend. ja es geht um party, es gibt auch studenten, aber vor allem hat man platz und es weht ein neuer wind in sachen rock’n'roll… wer dafür seine kohle hingelegt hat is mir wirklich egal. auf grosser fahrt und besuch hinterfragt ihr das ja auch nich. klar is auf alle fälle, die jungs rocken, und ich muss mein geld nich mehr zu irgendwelchen hooligan-schläger-neustadt-club-und barbetreibern schleppen. hat doch auch was… und bis dynamo seine politische und fantechnische ausrichtung wieder unter kontrolle hat, schwing ich lieber die flagge mit dem totenkopf und dazu die pommesgabel oder kicker ne runde. darauf ein astra… prost
lieber halbschuh, danke für deine interessanten gedanken zu meinem kleinen beitrag, den du hoffentlich nicht als “kneipentest” falsch verstanden hast. hätte ich einen solchen schreiben wollen, dann hätte ich erstens den ganzen laberkram im vorfeld weggelassen und zweitens hätte ich auch über die bierpreise (übrigens sehr positiv) gesprochen sowie die bedienung gelobt (sehr freundlich)..
also, ich lasse auf diesem blog hier ab und zu mal meinen geistigen durchfall weil es mir einfach spaß macht :-) ich will damit weder meine zugehörigkeit zu einer “szene” ausdrücken noch irgendetwas in der welt ändern.
ich sage ja, es ist der animierbar anzumerken, dass dahinter eindeutig sehr viel arbeit und durchaus liebe zum detail steckt. dass nu gerade ein “thema” dabei zum konzept gemacht wird, welches mich als altem hafenheini so berührt: das ist halt zufall. mehr auch nicht. wäre es eine apres ski bude geworden oder eine “echte” oben-ohne bar – dann hätte mir das auch nicht so gut gefallen, aber ich wäre auch gar nicht erst hingegangen, hehehehe.
wie gesagt, ich bin sehr gespannt, was sich da bei rosi entwickelt und denke ja auch, dass die idee gut funktionieren kann.
warum du aber in einem so langen kommentar das schreiben in blogs verurteilst ist mir jetzt schleierhaft. du tust es ja selbst und das mit viel verve.
ich hoffe, wir lesen hier bald mehr von dir.
ps: was echt komisch ist: sobald man in dresden über irgendwas schreibt, wo nicht nur gelobt wird, kommt die bemerkung: “macht soch selber mal was”. aber wie würde denn das aussehen? die nachtwelt teilt sich in macher, mitmacher, konsumenten und kritiker und das ist auch gut so. alles andere wäre extrem langweilig. und die macher selbst, die juckt kritik nun wirklich nicht, denn wenn die sensibel auf jeden blöden kommentar reagieren würden, dann hätten sie sicher nicht die kraft, zu “machen”. der eine schreibt, der andere macht, der dritte trinkt nur und der vierte bleibt bloß zu hause. ich mache von allem ein wenig, in dem irrglauben, man könne damit jung bleiben. irrglauben – jedenfalls was mich betrifft :-)
in diesem sinne, ein sich extrem müde und alt fühlender troll
Inzwischen sind dem Rosis ja etliche Rezensionen im Dresdner Bloggärtlein zuteil geworden, wobei sich manche so gar nicht in Trolls Fahrwasser bewegen: „Rosis Homepage wird von mir als ‚Homepage des Jahres‘ vorgeschlagen. So etwas kreatives habe ich lange nicht gesehen.“ Quelle: http://dapemasblog.blogspot.com/2009/02/jetzt-haben-wir-st-pauli-in-dresden-das.html
:-)
Social Media
Letzte Artikel
Letzte Kommentare
Vernetzt
Blogroll
Stichworte
Meistkommentiert
Meistgelesen
Coole SacheDumm gelaufen, Parker! - 2.887-mal angesehen