Kunst und Kommerz – Teil 4.322.987 – Vom eigenen Anspruch und der Lernwerkstatt “Kunstprojekte in Unternehmen”
Es ist so verdammt schwer, sein Leben so zu führen, dass man seinen eigenen Ansprüchen gerecht wird. Geht man den Umweg, weil im Späti um die Ecke ein falsches T-Shirt bedient? Kauft man teure Bio-Kartoffeln, obwohl man auf einen neues Fahrrad spart? Nehme ich den Auftrag eines Unternehmens an, deren Servicemitarbeiter neulich meine ganze Wut zu spüren bekam?
Fragen, die einen jeden Tag quälen aber wenigstens über andere Fragen hinwegzusehen helfen (Kauf ich mir lieber die neue Chemical Brothers oder die neue Cinematic Orchestra? Ist Tine schöner als Madeleine?)….
Gerade als Künstler zeigt sich der Umgang mit eigenem Anspruch und Überlebensfähigkeit durchaus gerne mal als seelisches Nadelöhr in aller Härte. Gefordert wird von allen Seiten politisches Engagement auf ästhetische (und/oder provozierend kreative) Art und Weise, im Idealfall “die totale Unabhängigkeit von materiellen Interessen”! Aber wo fängt das materielle Interesse an und wo die Akzeptanz von “Mäzenen” und geldbringenden Nebenprojekten?
Ein Dilemma, vor dem auch Bettina Lindner wahrscheinlich stand, als sie ihr Werk “Schlösschenbrücke im Wald” untertitelte mit “Lobbyismus und Kurzsichtigkeit helfen, den Titel “Tal der Ahnungslosen” zu erhalten“.
Schließlich hatte sie offenbar zuvor für die internationale Spedition Procargo Werbung gestaltet :-)
Sorry, Bettina, nimm das bloß nicht persönlich, aber ich musste schon schmunzeln, als ich mich durch Deine Webseite klickte.. schmunzeln und nachdenken. Denn wie gesagt, mir sind solche persönlichen Zwickmühlen nicht fremd.
Vielleicht werden auch diese Themen Bestandteil sein der Lernwerkstatt KUNST und WIRTSCHAFT, die am 11.09.2008 von 20-22 Uhr in den Werkstätten Hellerau stattfinden unter dem Titel
“Kunstprojekte in Unternehmen”
Mehr Infos dazu gibt es auch auf Genius Hellerau, ich zitiere:
“Im Rahmen der Lernwerkstatt führte die Projektgruppe REINIGUNGSGESELLSCHAFT seit 2007 Gespräche mit Führungskräften sächsischer Unternehmen. Es sollte herausgefunden werden, welche konkreten Aufgaben Künstler in Unternehmen übernehmen können. Basierend auf dieser Analyse wurden sechs bildende Künstlerinnen und Künstler beauftragt, konkrete Projektideen für ausgewählte Betriebe zu erstellen. Die Projektvorschläge haben zunächst hypothetischen Charakter und sollen Anlass zur Diskussion geben, wie Unternehmen von internen Kunstprojekten profitieren können. In Kurzpräsentationen werden folgende Künstler mit ihren Projektideen vorgestellt.
* Henrik Schrat für Art´otel Dresden
* Antje Schiffers für Dresden Werbung und Tourismus GmbH
* Armin Chodzinski für Dresdner Wach- und Sicherungs-Institut GmbH
* John von Bergen für Karstadt Warenhaus AG
* Jan Wenzel für Leipziger Verlags- u. Druckereigesellsch. mbH & Co KG
* Juliane Köhler für Max-Planck-Institut f. Molekulare Zellbiologie u. Genetik”
Ein sehr spannendes Thema… Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt? Geht jemand hin?

