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Sportmarkt erhält Designpreis für „räudiges, rockiges, renitentes Leben“ in der Neustadt

von Troll am 11 Juni 2008 68-mal angesehen 3 Kommentare

YEAH, eins muss man wirklich sagen: Mit dem Umzug aus einem meiner Lieblingsjugendstilgebäude der Neustadt, der Königsbrücker Str. 38 (wo weiland auch Erich Kästner im 2 Stock zu Hause war) in die alte Post hat der Sportmarkt Barthel uns ein herrliches (wenngleich auch unfreiwilliges) Andenken an die Wendejahre geschaffen. Da steht ein Baugerüst im Eingangsbereich als Träger für Werbebanner, die teils in Schrägschrift (kommt das denn nie aus der mode) und teils mit preisverdächtiem Logo einen seichten Schatten werfen auf die Biertrinkergemeinde, die dort seit jeher ihren Treffpunkt hat und sich auch von Restpostenplanschbecken nicht abschrecken lässt. Über Ihnen prangt an der Frontseite der Postkantine ein künstlerisch wetvolles DYNAMO Graffitti und irgendwo darunter muss auch der Eingang sein.

Das “schlimme”: Von einem meiner Lieblingsgebäude zieht der Laden ins andere, denn sowohl die beiden Untergeschosse in der Kö 38 als auch die über dem neuen Ladenlokal befindliche Postkantine bieten allerbestes Potential für ein von mir vermisstes Cafe an unserer Hauptverkehrsader… Stattdessen gibt es preiswerte Turnschuhe (leider nie in meiner Größe) und Nordic Walking Stöcke und pappige Spaghetti neben der Post und in die 38 zieht mit Sicherheit eher eine Bank als ein Gastronom (weiß jemand was?).

Wie schrieb Erich Kästner:

“Geboren wurde ich in einer vierten Etage. In der 48 wohnten wir im dritten und in der 38 im zweiten Stock. Wir zogen tiefer, weil es mit uns bergauf ging. Wir näherten uns den Häusern mit den Vorgärten, ohne sie zu erreichen ..”

Tja, so ähnlich scheint es dem Sportmarkt zu gehen: Immer weiter gen innerer Neustadt und deren besser betuchter Klientel ohne Sie zu erreichen :-) *räusper..

Über das Postamt als eines der frühestens Zeugnisse modernen Bauens in Dresden findet sich auch ein informativer Artikel im Netz.

Ich habe nichts gegen Sprayer, das ist bekannt, aber dennoch muss ich an dieser Stelle zustimmen, wenn dort gesagt wird:

“Seitdem haben Sprayer den ungenutzten Teil für sich entdeckt – Moderne hin, Naturstein her – und dem Gebäude mit Silberfarbe einen räudigen Anschein verliehen.”

Ein Glück hat der Sportmarkt sich der Sache jetzt angenommen, um diesen “räudigen” Details einen Gesamteindruck zu verpassen und somit einen wertvollen Beitrag geleistet, dass wir uns wieder in der Neustadt wie zu Hause fühlen können und nicht als Gäste im Miniaturwunderland in der Ateilung “modernes Szeneviertel für Webdesigner, Architekten und Autohaussöhne”.

Daher geht der Designpreis für “räudiges, rockiges, renitentes Leben”, den dieneustadt.de hiermit erstmals vergibt, in diesem Monat an den Sportmarkt Barthel! DANKE und viel Erfolg bei den Geschäften mit gebrauchten Badehosen.

FOTOS bitte an uns! Meine Kamera liegt noch beim Händler.

3 Kommentare »

  • Anton Launer sagte:

    Geiler Artikel, geile Auszeichnung. Ich muss da gleich mal vorbeizuckeln. Blöd, wenn man immer die Alaunstraße hochfährt, dann merkt man sowas gar nicht.

  • konzeptspeicher » Ab die Post…für ein Kreativkaufhaus an der Königsbrücker sagte:

    [...] Bereits vor ner ganzen Weile hab ich mich ja in unserem Stadtteilblog dieneustadt unter meinem alten Nickname “troll” begeistert über das sportliche Design der Sportresterampe auf dem Gelände der “Neustadt-Post” an der Königsbrücker ausgelassen und sogar einen Preis verliehen: Den Designpreis für „räudiges, rockiges, renitentes Leben“ in der Neustadt. [...]

  • salvador_dd sagte:

    http://konzeptspeicher.de/2009/10/20/ab-die-post-fur-ein-kreativkaufhaus-an-der-konigsbrucker/

    Hier outet sich der Ex-Troll unter seinem neuen Namen und schreibt mal was zum oben genannten Thema!

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